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Sehnsucht Deutschland - Film
Blick auf die Altstadt von Stralsund; Foto: arcona Hotel Baltic

Deutschlandreise/10: Fischbrötchen und Kulturgenuss in Stralsund

Zwischen historischer Altstadt und Bauwerken moderistischer Architektur entdeckt Autorin Beate Schümann die kulturellen und kulinarischen Leckerbissen der Ostseestadt Stralsund.

Text: Beate Schümann

Erkundungstour durch Stralsund

Ozeaneum in Stralsund; Foto: Ozeaneum/Johannes-Maria Schlorke

Ozeaneum in Stralsund; Foto: Ozeaneum/Johannes-Maria Schlorke

Am Abend entscheide ich mich für die Pferdekutsche. Gemütlich traben die beiden Kaltblüter zurück in die Zivilisation. Manche behaupten ja, im Osten sei nichts los. Für Stralsund gilt das schon mal nicht. Kaum ein Denkmal ist so lebendig wie die Stadt am Strelasund, noch lässt es sich so gut in ihm leben. Und von kaum einem Flächendenkmal ist so vieles so gut und durchgehend überliefert wie von der Hansestadt. Ein „Flächendenkmal“. Das sagt mir: Zieh gute Schuhe an, denn es erstreckt sich über 80 Hektar. Fürs Erste genügt es, wieder einen Kirchturm zu erklimmen, den von St. Marien, um mir einen Überblick zu verschaffen. Von der Panoramaplattform erblicke ich das ganze Ausmaß der Stadt, die besondere Lage auf einer Wasser umspielten Insel, auf der sich Hunderte geschützte Kirchen, Klöster und Gebäude versammeln: Ein historisches Gesamtkunstwerk aus acht Jahrhunderten. Die Unesco hielt das für schutzwürdig: Stralsund repräsentiert im Duett mit Hanseschwester Wismar die entwickelte Hansestadt aus der Blütezeit des mächtigen Städtebunds im 14. Jahrhundert.

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Runter vom Turm, rein in die Gassen – ich erkunde den mittelalterlichen Grundriss mit Straßennetz, Plätzen, Quartierund Parzellenstruktur. Ein Einzeldenkmal folgt aufs andere, ein Reigen von Giebelhäusern aus Früh- und Spätgotik, Renaissance sowie Barockzeit. Millionen flossen, damit sich in den glasierten Backsteinen wieder jener legendäre Reichtum spiegelt, der einst dank der hansestädtischen Handelsmonopole für Tuch, Pelze, Salz und Honig in die Stadt floss. Am Markt raubt mir das Ensemble aus Rathaus, Bürgerkirche und Giebelhäusern jedes Mal den Atem. Filigrane Türmchen, Giebel und Windlöcher dekorieren die hohe Schauwand wie Brüsseler Spitze vor blauem Himmel. Rundherum strotzen die hohen Blendfassaden bis unter die Giebelspitze vor Stolz, Standesbewusstsein und Macht. Genau das sollte die nach dem Himmel greifende Architektur Landesfürsten und Kirche vor Augen führen: Dies ist eine Kapitale der Kaufleute.

Und doch ist Stralsund kein Museum. Hinter frisch verputzten Fassaden, auf gepflegtem Kopfsteinpflaster und in sorgfältig restaurierten Klostermauern wird gelebt. Die Stadtväter scheuten sich nicht einmal, die markante Stadtsilhouette zu verändern. 2007 setzten sie der berühmten Hanse-Skyline eine Megabrücke von 2.831 Meter Länge vor, die als „Jahrhundertbauwerk“ und „längstes Brückenwerk Deutschlands“ in Stralsunds neuere Geschichte einging. Noch mehr staunt man am alten Hafenkai, wo das Ozeaneum seit 2008 das Bild prägt. Vier gigantische weiße Baukörper wölben sich wie ein amorphes Planetensystem aus Utopia zwischen Backsteinkirchen, Speichern und Giebelhäusern empor. Drinnen wandelt man auf 9.000 Quadratmetern zwischen den Weltmeeren, der Ostsee, der Meeresforschung und im Raum schwebenden Walmodellen, die man, bequem im Sessel liegend, betrachten und hören kann.

Kultur macht hungrig und wie überall an der Küste ist auch in Stralsund der Gang zur Fischbude obligatorisch. „Bitte einen Bismarck-Hering“, bestelle ich. Den zwischen Salatblatt und Zwiebeln Eingeklemmten schiebe ich mir für nur 2,50 Euro von der Hand in den Mund. Stralsund, genauer gesagt: der Fischhandel Henry Rasmus, ist ein Hering-Wallfahrtsort. Von hier stammt der sauer eingelegte Bismarck-Hering. „Eines Tages bekam Otto von Bismarck Post von Johann Christian Friedrich Wiechmann, Inhaber der Stralsunder Fischkonservenfabrik: ein Holzfass voller Original Stralsunder Heringe.“ Wenn Rasmus, der der Tradition des Stralsunder Kaufmanns folgt, selbst im Laden steht, erzählt er diese Geschichte gern. Der frische, entgrätete Ostseehering, in einem sauren Aufguss eingelegt, war eine Delikatesse und der preußische Staatsmann übermittelte ein höfliches Dankschreiben, woraufhin Wiechmann mit einem zweiten Fass nachsetzte. Im Begleitschreiben trug er ihm an, Namenspatron der Fischspezialität zu werden. Bismarck willigte ein und Wiechmann machte mit dem kleinen Fisch großes Geld. Das verschollen geglaubte Rezept der Original Stralsunder Bismarck-Heringe konnte Rasmus bei den Urenkeln Wiechmanns auftreiben. Heute tritt er in Wiechmanns Fußstapfen.

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Text: Beate Schümann
Fotos: arcona Hotel Baltic und Ozeaneum/Johannes-Maria Schlorke

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