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Sehnsucht Deutschland - Film
Aus den schönen Spätburgundertrauben machen die Stoddens herrliche deutsche Rotweine. Foto: DWI

Scheuermanns Weinkanon / Teil 2 - Stoddens Spätburgunder/Ahrtal

Mit dieser Serie unternimmt der Hamburger Weinautor Mario Scheuermann den Versuch aus der Trinkerfahrung beinahe eines halben Jahrhunderts seinen persönlichen Deutschen Weinkanon aufzustellen. Teil 2 - Jean Stoddens JS Spätburgunder aus dem Ahrtal

Text: Mario Scheuermann

Das Tal der deutschen Rotweine - Ahrtal

Knapp 20 Euro kostet Rubin in Flaschen. Foto: Stodden

Knapp 20 Euro kostet Rubin in Flaschen. Foto: Stodden

Als ich Ende der 1980er Jahre mit einigen Freunden im Rheingau begann einen jährlichen Wettbewerb für deutsche Spätburgunder zu organisieren, haben wir vor den verdeckten Verkostungen den Juroren stets einen französischen Leitwein vorgesetzt. Dabei wählten wir bewusst einen gehobenen Ortswein aus Burgund z.B. aus Volnay oder Pommard, also keinen Grand oder Premier Cru sondern einen Villages. Das sind jene Weine, die mit 34 Prozent den Mittelbau der burgundischen Produktion bilden. Das wollten wir den deutschen Winzern als Vorbild und den Juroren als Messlatte vorgeben.

Schnell mussten wir feststellen, dass kaum ein deutscher Erzeuger in der Lage war diese Hürde zu nehmen weder was die Qualität betraf und schon gar nicht bei der Menge der produzierten Flaschen. Auch nicht Gerhard Stodden von der Ahr, der damals wie die meisten seiner Kollegen Weine einer merkwürdigen nationalen Stilistik pflegte: helles granatrot, wenig Alkohol, tanninarm, weich und nicht selten sogar mit Restsüsse. Das wollte aber damals kaum noch jemand trinken.

SDTV - Im Tal der deutschen Rotweine - das Ahrtal

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Diese Weine wurden von der Jury gnadenlos runtergepunktet. Die Sieger kamen aus der kleinen Riege jener Produzenten wie August Kesseler, Bernhard Huber, Fritz Keller oder der WG Königschaffhausen, die damals bereits mit dem Barriqueausbau dieser Weine begonnen hatten und damit gehörig gegen den Strom schwammen. Sehr zum Ärger einiger namhafter Produzenten, die daraufhin mehrere Jahre keine Weine mehr zu dem Wettbewerb einreichten. Inzwischen wurde aus der früheren „Assmannshäuser Krone“ der begehrte „Deutsche Spätburgunderpreis“ und so mancher, der damals abseits stehen wollte, gehört heute regelmäßig zu den Bestpatzierten.

Der Wein, den ich als zweiten meiner Reihe deutscher Klassiker ausgewählt habe, zeigt zwei Dinge: erstens, dass Winzer lernfähig sein können, und zweitens, dass manchmal auch Träume wahr werden. Als Gerhard Stodden zum ersten Mal an dem Wettbewerb teilnahm, unterschieden sich seine eingereichten Weine in nichts vom oldfashioned mainstream und landeten im Ergebnis irgendwo weit hinten. Dadurch ließ er sich aber keineswegs entmutigen sondern kam mit seiner Frau Brigitta, die damals wie heute für den Verkauf zuständig ist, zur öffentlichen Präsentation der Weine und verkostete vor allem die, die in der Wertung vor dem seinigen lagen. Dies praktizierte er mehrere Jahre und seine Weine wanderten im Ranking Jahr für Jahr weiter nach oben. Im Jahr 2003 stellte er den Regionalsieger an der Ahr und platzierte sich in den Top Ten.

Bereits 2002 wurde er beim Gault Millau als „Aufsteiger des Jahres“ geehrt.

Im Jahrgang 1989 fasste er einen für damalige Verhältnisse kühnen Plan. Er wollte einen prototypischen Ahr-Pinot kreieren, den er J.S. nannte. Er begann mit sechs Fässern. Das ergab 1.800 Flaschen. Inzwischen ist mit dem 2008er der 20. Jahrgang auf dem Markt. Der J.S. ist eine etablierte regionale Marke und es gibt inzwischen 7.000 bis 10.000 Flaschen pro Jahr.

Unser Traum vom deutschen Village von damals hat sich damit erfüllt.

Es gibt im Portfolio von Stodden Weine, die besser sind als der JS, der „Herrenberg“ zum Beispiel oder auch die „Alten Reben“. Das sind die Ausnahmeweine, die Grand und Premier Crus. Der JS soll das nicht sein. Er ist Jahr für Jahr von beständiger Qualität und von hoher regionaler Typizität. Er zeigt eine schöne Rubinfarbe und kein granatrot mehr wie früher. Schon die Nase ist sehr charakteristisch für die Sorte, die Region und den Ausbaustil: rote Beerenfrucht, auch Hagebutte, Kräuternuancen wie Beifuss, etwas Kakao, leicht rauchig – das ganze Spektrum des Pinot also. Am Gaumen ein Wein mit schöner, weicher Fülle, schokoladig, cremig, aber auch mit schönem Säurespiel, was ihm nervige Rasse und Eleganz verleiht. So etwa hat es vor 25 Jahren nicht gegeben. Schon gar nicht in dieser Menge und zum Preis von 19 Euro.

Inzwischen ist Gerhard Stodden (62) nicht mehr allein verantwortlich für das 6,5 Hektar große Familienweingut in Rech, dessen Ursprünge bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen. Seit 2001 ist Sohn Alexander (38) mit im Betrieb. Die beiden teilen sich die Arbeit. Der Senior kümmert sich vor allem um die Weinberge, der Junior ums Marketing und gemeinsam um die Vinifikation. Im Jahrgang 2008 sind die beiden mit ihren Weinen dem Ideal vom klassischen Ahr-Burgund so nahe gekommen wie vielleicht noch nie zuvor.

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Über den Autor:

Der 62-jährige Mario Scheuermann ist einer der renommiertesten Weinreporter des Kontinents. Er publiziert in führenden Fachzeitschriften und Publikums-Magazinen und betreibt u.a. die Website www.weinreporter.de. Er wohnt in Osteinbeck bei Hamburg.

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