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Sehnsucht Deutschland - Film
Das Doberaner Münster im Winter. Foto: Wolfgang Graf/Fotocommunity.de

Deutschlandreise/7: Bad Doberan, sein Münster und der Molli

Autorin Beate Schümann war zwischen Heiligendamm und Fischland unterwegs. Was sie auf diesem Teil der Deutschlandreise in Bad Doberan und mit "dem" Molli erlebte, lesen Sie bitte hier.

Text: Beate Schümann

Das Bad Doberaner Münster? Immer der Menge nach

Es heißt der Molli und er ist der Stolz der Doberaner. Foto: TMV

Es heißt der Molli und er ist der Stolz der Doberaner. Foto: TMV

Ich komme weg aus Heiligendamm und freue mich auf Bodenständiges.
Jetzt ist „Molli“ dran. Jeder liebt ihn, und dass „er“ keine „sie“ ist, steht für die Einheimischen fest. Denn „Molli“ ist ein Zug, ein schwarzes Eisenross mit 460 PS, einem Tender und sieben Personenwagen, der seit mehr als 100 Jahren Kühlungsborn und Bad Doberan verbindet.

Er wartet schon vor Heiligendamms historischem Bahnhof. Ein Bimmeln, und schnaufend setzt sich die Mecklenburgische Bäderbahn in Bewegung. Molli dampft durch Kurven, passiert mit maximal 40 km/h Felder, Wiesen und Schranken.

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„Die Fahrkarten bitte“, ruft der Schaffner und knipst zum Entwerten in die alte Edmondsche Pappfahrkarte, die neuerdings wieder gedruckt wird. Die Schmalspurbahn hält an der ältesten Galopprennbahn des europäischen Kontinents und ruckelt an der anerkannt schönsten Lindenallee Deutschlands entlang. Mehr Superlative geht nicht. Sie durchzuckelt die Kopfsteinpflasterstraßen Doberans, an Gründerzeitvillen vorbei und macht nach 6,6 Kilometern Endstation in Bad Doberan.

„Alle Aussteigen“ ruft der Schaffner. Ich springe über das Trittbrett auf den Perron.

Das Münster? „Der Menge nach“, knurrt der Lokführer, der sich aus dem Fenster seiner 99 2323-6 lehnt. Zwischen Sumpfdotterblumen und hoch gewachsenen Buchen erhebt sich die gewaltige gotische Backsteinbasilika. „Ora et labora“ lautet der Leitspruch der Zisterzienser – bete und arbeite. Und was für eine Klosterkirche sie bauten! Ein Triumph des Glaubens mit eigener Parklandschaft. „Die Zisterzienser waren geniale Ingenieure“, bestätigt Ursula Gühler, die Führerin im Münster ist. Putzsucht war den Mönchen fremd, doch mit dem Raum, der hier in den Himmel wächst, wucherten sie. Unter dem Kreuzgewölbe erheben sich 24 Pfeiler, die eine Höhe von 26 Metern messen und auf einem fünf Meter tiefen Steinfundament in der Erde stehen. „Man braucht fünf Erwachsene, um die Säule zu umfassen.“

Die kundige Frau weiß auch, dass fünf Millionen Backsteine verbaut sind. Wer die wohl gezählt hat, frage ich mich, doch so wird Geschichte greifbar.

Backsteine für die Ewigkeit, und seit einer Ewigkeit steht das Münster schon da, mehr als 700 Jahre. Die ersten Zisterzienser ließen sich 1171 in der verwunschenen Flusslandschaft nieder, um auch die letzten unchristlichen Gegenden Deutschlands zu missionieren. Doch die Slawen, Vorfahren der Mecklenburger und Vorpommern, verehrten eigene Götter, die Swantevit, Rugivit oder Porenut hießen, und wehrten sich. Nach der Zerstörung des ersten Klosters sahen sich die Zisterzienser mit ihrem Latein aber noch nicht am Ende. Zeit und Geld spielten im Mittelalter kaum keine Rolle, wenn fromme Brüder dem Himmel einen Palast und der Christenheit ein Denkmal errichten wollten. Fast 200 Jahre später waren Kirche, Kreuzgang, Konventräume und Wirtschaftshöfe fertig. Ein Meisterwerk. Nein, solche Kirchen können wir heute nicht mehr bauen. Staunend stehe ich vor dem wohl schönsten und besterhaltenen Klosterbau des Ostseelandes, ach was: Europas!

Nach so viel Großartigem meldet sich mein Magen. So fahre ich weiter durch die weite, sanft geschwungene Endmoränenlandschaft südlich von Bad Doberan, nicht gerade aufs Geratewohl, sondern gezielt nach Hütten bei Parkentin, nur wenige Kilometer.

Zwischen Wald und Wiesen des Hütter Wohld liegen die einstigen Fischteiche der Doberaner Klosterbrüder, die heute Berufsfischer Leif Detlefsen samt Räucherei und Restaurant betreibt. Aal, Hecht, Karpfen, Barsch, Flusskrebs, Lachs und Zander kommen fangfrisch auf den Tisch. Kurz besinne ich mich der strengen Ordensregeln der Zisterzienser, bestelle dann aber einen ordentlichen Gemischten Fischteller. Vom Karpfen sind zart geräucherte Filets dabei, köstlich.
„Räuchern ist Tradition in Mecklenburg, Warm- und Kaltrauch“, erklärt der Chef des Hauses. Von November bis April hat Karpfen Saison.

„Unsere Landschaft ist „von oben““ hatte mir Leif Detlefsen noch mit auf den Weg gegeben. Und so ist sie, himmlisch.

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