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Sehnsucht Deutschland - Film
Platitüde, aber wahr: Heiligendamm ist die weiße Stadt am Meer. Foto: TMV, Frank Neumann

Deutschlandreise/6 - Heiligendamm & Wustrow

Heiligendamm ist die prächtige, weiße Stadt am Meer. Das Abenteuer lockt aber eher auf der Halbinsel Wustrow, die den Beinamen "verbotene Insel" trägt. Autorin Beate Schümann hat Pracht und Abenteuer unter einen Hut gekriegt.

Text: Beate Schümann

Von Heiligendamm bis kurz vor Bad Doberan

Niemand fotografiert den Gespensterwald so wie Sandra Bartocha, www.bartocha-photography.com

Niemand fotografiert den Gespensterwald so wie Sandra Bartocha, www.bartocha-photography.com

Wie schön gleichmäßig die Wellen an den Strand trecken. Ja trecken, so sagt man hier an der Ostsee, wenn das schäumende Wasser ans Ufer schlägt. Klatsch, klatsch, macht es auch unter der Seebrücke von Heiligendamm, dem Holzsteg, der zweihundert Meter weit ins Meer führt und verlockt, dem Meer trockenen Fußes näher zu kommen.

Am Brückenkopf, den man im Winter ganz für sich haben kann, erfüllen sich Sehnsüchte. Herrlich, diese schwer erklärbare Mischung aus Salzwasser, jodhaltiger Luft und dem sagenhaften Gefühl von Freiheit, das im grenzenlosen Horizont liegt.

Wenn Sommer und Hochsaison vorbei sind, ist Heiligendamm ein Ort der Stille. Die Strandkörbe des Grandhotels sind in ihr Winterquartier geräumt. Am Wellensaum hüpfen kreischende Möwen und ein paar Spaziergänger wandern in Richtung Steilküste. Sonst begegne ich am Strand nur einem Jungen, der mit seiner Schaufel ein Loch in den Sand gegraben hat, das sich langsam mit Wasser füllt. „Die Ostsee ist immer da“, sagt er zufrieden. „Selbst bei Ebbe.“

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Im Hintergrund erhebt sich die legendäre „Weiße Stadt am Meer“ wie ein Gemälde. Landseitig vom Buchenwald umrahmt, seeseitig vom Meer – da steht es, Deutschlands erstes Seebad und das berühmteste Grandhotel des Landes. Auch hier herrscht Stille, obwohl die an der Promenade aufgefädelte Perlenkette der klassizistischen Prachtarchitektur seit 1793 bezaubert. Strahlend weiß leuchtet der Komplex aus Kurhaus, Haus Mecklenburg, der zinnenbekrönten „Burg“, Orangerie und Severin-Palais, der 2002 nach langem Stillstand millionenschwer wie Phönix aus der Asche erstanden ist. Ein Gitterzaun mit G-8-Gipfelflair umgibt das Ensemble und ja, er soll abweisen. Die exklusiven Gäste der Nobelherberge mochten es nicht, von Heiligendammbesuchern wie im Zoo bestaunt zu werden.

Dem Hotelgast öffnet sich der Schlagbaum, und auch Restaurantgäste sind willkommen. Schon stehe ich unter dem Baldachin und der Portier in Livree grüßt. In der Nelson-Bar nehme ich zum Aufwärmen eine heiße Valrhona-Schokolade. Das Gourmetrestaurant „Friedrich Franz“ ist das Reich von Sternekoch Ronny Siewert, der französische Küche jeden Tag neu kreiert und mit regionalen Akzenten garniert. In einem Empire-Stuhl denke ich über das Badeleben vor 200 Jahren nach.

Das Seebad hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, und was es noch vor sich hat, ist seit dem Ausstieg der Hotelkette Kempinski im letzten Jahr mit Gewissheit nicht zu sagen. Schon unter den Großherzögen war das Vorhaben von gigantischer Dimension. Draußen trotzen noch die Logierhäuser, grau und baufällig, dem scharfen Seewind, der Jahr für Jahr seine Klingen an ihren Mauern wetzt. Sie sollen in einer zweiten Phase luxussaniert werden. Die Promenade ist in zehn Minuten gemütlich abgelaufen. Bis zum Restaurant „Medini’s“, das erstklassig italienisch serviert, aber im Winter eine dreimonatige Pause einlegt, wie auch die Eisdiele nebenan. Wenige Strandmeter noch, und dann ist Heiligendamm zu Ende.
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Autorin: Beate Schümann

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