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Sehnsucht Deutschland - Film
Wehrmachtskaliber AS 1130 sind das Herz einer Hentschel. Foto: Hentschel Uhrenmanufaktur

Deutscher Klassiker - Hentschel Uhrenmanufaktur in Hamburg

Deutsche Klassiker sind Marken, die noch heute mit Herz und Hand "Made in Germany" produziert werden und für höchste Qualität und deutsche Wertarbeit im In- und Ausland stehen. Teil 3: Uhrenmanufaktur Andreas Hentschel in Hamburg

Andreas Hentschel - der tickt noch richtig

Andreas Hentschel konzentriert sich auf sein Werk. Foto: Uhrenmanufaktur Hentschel

Andreas Hentschel konzentriert sich auf sein Werk. Foto: Uhrenmanufaktur Hentschel

Eine bürgerliche Wohngegend mitten in Hamburg, enge, überwiegend als Einbahn ausgewiesene Straßen, die riesige Universitätsklinik Eppendorf nebenan, eine Eckkneipe, die Fricke 46 heißt und neben frisch gezapften Bieren für deftige Steaks mit Bratkartoffeln steht.

Die Alster und der schicke Eppendorfer Baum sind ein paar Katzensprünge entfernt, Parkplätze gibt es reichlich, leider fast immer besetzt. So kann man bei der Parkplatzsuche ein erstes Gefühl für Zeit entwickeln, während man auf einer nur bedingt freiwilligen Stadtteiltour versucht, pünktlich zu dem Mann zu kommen, der genau hier seine Uhrenmanufaktur in einem Eckhaus der Geschwister-Scholl-Straße ansiedelte, weil ihm, dem damals schräg gegenüber Wohnenden, die Lichteinflüsse auf die gründerzeitliche (?) Fassade so gefielen.

Hamburg: die Elbe im Herzen

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Andreas Hentschel ist ein schlanker, gutaussehender Hanseat. Groß gewachsen, Ende 40 und mit einem vertrauensvoll festen Händedruck gesegnet. Nett sieht er aus, der Mann, der einst Sozialpädagoge war, dessen Berufung aber in der Uhrmacherei liegt und deren Meistertitel er trägt.

Angesichts von rund fünf Millionen Luxusuhren, die jährlich in der Schweiz und Deutschland hergestellt werden, in den weltweiten Export gehen und dann in den Auslagen der teuersten Geschäfte feilgeboten werden, scheint die Spezialisierung auf edelste Uhren eigener Herstellung zumindest ein ambitioniertes Unterfangen. Warum also, Herr Hentschel?

„Weil wir Deutschlands feinste Uhrenmanufaktur werden wollen.“

Auch das zeugt von vitalem Selbstbewusstsein. Doch es kommt auch nicht von ungefähr, denn Hentschel tüftelte, testete, verwarf und verbesserte bis er nach knapp zehn Jahren die erste Uhr für so gut befand, dass er sie verkaufen mochte. Und sofort konnte.
Ein weiteres Jahrzehnt später ist aus dem Namen Hentschel eine klangvolle Marke für Uhren feinster Machart gewachsen, die sich unter weltläufigen Liebhabern und Kennern der Luxusuhrenszene schon ziemlich fest etabliert hat.

Rund 150 Einzelstücke stellen Hentschel und seine vier Uhrmacher im Jahr mit ruhiger Hand her, Stückpreise ab wenigstens 5.000 Euro, Wartezeit mindestens drei Monat, manchmal Jahre.

Der tickt schon richtig, sagen sich heute die Bedenkenträger, die vor Jahren ob soviel Wagemut vermutlich nur den Kopf geschüttelt hätten. Was ist denn das Geheimnis Ihres Erfolges, möchte ich wissen.

„Ich wollte den Code der klassischen Uhr knacken und das haben wir geschafft“, erwidert der nette Herr Hentschel. Aha, antworte ich, und der wäre?

„Schauen Sie“, sagt er und streckt seinen linken Arm nach vorne, „die leichte Wölbung des Glases, die Zeiger, das feine Gehäuse, die Schlichtheit und der Fokus auf das Wesentliche machen diese Uhr zu einer Uhr fürs Leben, einem echten Klassiker eben.“

Verstehe. Code geknackt, das ist offensichtlich, aber wie?

Mit viel Zeit, gründlicher Vorbereitung, dem oben schon formuliertem Ziel, allerhöchsten Ansprüchen an die eigene Leistung und einer besonderen Passion.

Eine Leidenschaft zeitlose Uhren herzustellen, die nicht nur halten, was ich verspreche und für die die oberflächlichen Kriterien von Mode oder Zeitgeschmack nicht gelten.

Das ging nicht von heute auf morgen, denn Hentschel stand jahrelang in Diensten der großen Marken dieser Welt. Uhrenmarken, die viele Millionen für Marketing ausgeben, aber die Nachfrage in Weltstädten wie Tokio, London, Berlin, Paris, Dubai und New York nur durch maschinelle Massenfertigung befriedigen können.
Die schillernden Versprechen aus der Werbung führten bei vielen einst von Hentschel betreuten Kunden zu großen Frustrationen, weil ihre Uhren schon nach wenigen Jahren mit (Herz-)Rhythmusstörungen eingeliefert werden mussten und Abhilfe oft nur durch die Implantation eines neuen Uhrwerks geschaffen wurde.

Das entsprach nicht Hentschels Auffassung von Handwerksehre und schien auch nicht schlüssig, denn technisch hätten neue den alten Uhrwerken ja eigentlich überlegen sein müssen. Und weil eigentlich ein Wort zum Aufhorchen ist, war das genau die Nische, die manch anderer ständig vergeblich sucht.

„Understatement ist auch ein Statement“, meint Hentschel mit Blick auf die Uhren und doch muss er auch sich meinen.

Er machte sich selbständig und auf die Suche nach Uhrwerken, die als teure Raritäten irgendwo schlummerten. Meisterliche Stücke, alt, aber unbenutzt und voll funktionsfähig. Nicht verkauft und trotzdem vergessen in einer Zeit als Quarzuhren in Mode kamen.

Hentschels Favorit ist das legendäre Uhrwerk AS Kaliber 1130, das auch als Wehrmachtkaliber bekannt ist, weil es einer Ausschreibung eben dieser Truppe entstammte, die ein besonders robustes Uhrwerk für alle Lebenslagen suchte. Das war in den 1930er Jahren und bis in die 1970er Jahre wurde dieses Werk immer wieder weiterentwickelt und verbessert.

Heute ist Hentschel nur noch selten selbst auf der Suche, aber wenn mal wieder einer seiner Späher mit ein paar AS 1130 nach Eppendorf kommt, nimmt er seine Lupe, preist die fabelhafte Arbeit und freut sich, dass dieses Uhrwerk für den Dienst in einer Hentschel bestens geeignet ist.

Doch dafür wird es in alle noch so kleinen Einzelteile zerlegt, mit feiner Hand und höchster Präzision verfeinert, geölt, geschliffen und wieder montiert. Dann kommt die Unruh und bringt die Zahnräder zum Laufen. Ein magischer Moment, doch noch keine fertige Uhr.

Apropos Unruh. In 24 Stunden schwingt sie fast 30.000 Mal hin und zurück. Übertragen auf einen Reifen, führe ein Auto mit 90 km/h nonstop fast 4 Millionen Kilometer in fünf Jahren.
Jedes Fahrzeug wäre schon lange im Autohimmel, die Hentschel geht dann das erste Mal zur Inspektion. Ein erster Schritt für lebenslange Zuverlässigkeit.
Darauf gibt Andreas Hentschel sein hanseatisches Ehrenwort.

Auf die Frage, ob seine Uhren besser sind als andere, antwortet Hentschel selbstbewusst: „Uhren sind Maschinen, Maschinen sind physikalischen Gesetzen unterworfen und damit vergleichbar“, soll heißen, dass Hentschels Uhren im Vergleich zu luxuriösen maschinellen Exemplaren in jeder Hinsicht die Nase vorn haben und das Vergleiche jederzeit höchst willkommen ist. Hentschel kennt ja das Ergebnis.

Braucht man überhaupt eine Uhr, will ich letztlich wissen.

„Nein, braucht man nicht“, lächelt er, „wenn man nur wissen will wie spät es ist. Die Zeit wird einem überall hinterher getragen, eine Hentschel ist Luxus.“
Trotzdem, oder deshalb, macht sie viel Freude, ist oft mit besonders schönen, tragischen oder familiären Begebenheiten verbunden. Für den Schauspieler Max Herbrechter ist sie auf all seinen Reisen„seine kleine Heimat am Handgelenk“.

Der legendäre Sandbahnweltmeister Egon Müller liebt seine Hentschel und der Kapitän der „Queen Mary II“ trägt die Hentschel auf der Kommandobrücke, wenn er das riesige Passagierschiff über die Weltmeere steuert.

Kunden, deren Herz für eine Hentschel schlägt, erhalten eine lückenlose Dokumentation der Entstehung. Und wer mag, darf wie ein honoriger Praktikant sogar mitwirken.
Da fährt man auch besser mit dem Taxi vor, denn mit Aussicht auf eine Hentschel bekommt Zeit eine ganz neue Bedeutung.

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