Wer auf der A5 in Richtung Süden nur Augen für den Rhein hat, in Gedanken schon in Frankreich ist und den Kaiserstuhl rechts liegen lässt, macht einen großen Fehler. Die sonnenreiche Region ist ein Schlaraffenland für Genießer und Weinfreunde.
Sonne satt am Kaiserstuhl
Holzfasskeller im Badischen Winzerkeller Breisach; Foto: Kaiserstuhl-Tuniberg Tourismus e.V.
„Ja, d'Leut fahre schnell mal vorbei am Kaiserstuhl“, seufzt Reiner Gehr. „Isch schad! Du musch mal schaun, wie schöns bi us isch!“ Der Chef des Posthotels Kreuz-Post liebt seine Region: „Und das sag ich nicht nur so.“
Er ist rumgekommen in seiner Jugend, ist zur See gefahren, hat auf der RMS Queen Elizabeth gekocht: „Dann bin ich heim, hab zum Vater gesagt, ich hab's gsehn, jetzt mach mer hier weiter.“ Seit 200 Jahren ist der Betrieb in Familien- besitz, war erst Kapelle, später Poststation. Heute ist es das erste Haus am Platz, mitten in den Weinbergen, unweit des historischen Weinstädtchens Vogtsburg-Burkheim.
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Isabelle Gehr, gebürtige Französin, kocht saisonal mit regionalen Zutaten. Ich wähle das Pfifferlingsmenü. Der feinen Pfifferling-Kalbsbries-Terrine folgt ein im Glas geschichtetes Süppchen, die modische Bastelarbeit ergibt kulinarisch Sinn: luftige Pfifferlinge Royal mit würzigem Kürbispüree bedeckt, gekrönt von feiner Schaumsuppe.
Ein eisiges Gewürztraminer-Granité schmilzt im Mund und macht sofort glücklich. Zum zarten Maishähnchen werden sämige Pfifferlingssauce und goldgelbe Butterbandnudeln serviert. Am Nebentisch spricht man Französisch. „Es kommen immer mehr Leut rüber zu uns zum Essen, aus dem Elsass und aus Frankreich“, erklärt Gehr lächelnd und serviert die heiß- kalte Beerenvariation.
Andere Urlaubsregionen haben eine Hauptsaison, der Kaiserstuhl hat drei. Der Frühling verzaubert das Land in ein Blütenmeer, der Sommer zeigt sich von seiner verschwenderischen Seite, im Herbst beginnt die Weinlese im feurigbunten Laub.
Die Region liegt im Regenschatten der nahen Vogesen, gehört mit 1.720 Sonnenstunden zu den wärmsten und regenärmsten Gegenden Deutschlands. Weinrebwände säumen die Straßen und Wege entlang des Mittelgebirges am Oberrhein, matt schimmernde Pflaumen und rote Kirschen leuchten im satten Grün der Obstbäume. Äpfel, Mirabellen, Walnüsse und Holunder, eine üppige Pflanzenwelt und viele berühmte Weine wachsen hier auf nährstoffreichen Vulkanböden.
Da der fruchtbare Lössboden aber schnell vom Winde verweht würde, entstanden schon früh die Terrassenhänge, die das Bild des Kaiserstuhls prägen. Klima und Bodenbeschaffenheit sind Basis für die außergewöhnlichen Weine: knackig frische Weißweine wie Müller-Thurgau, Silvaner oder Grauburgunder überzeugen durch Raffinesse und Mineralität, hier finden sich komplexe Spätburgunder und tiefgründige Gewürztraminer aus Weinlagen von Weltruf. Großformatige Porträts bildschöner Weinköniginnen grüßen den Reisenden an zahlreichen Ortseingängen, überall bieten Weingüter und Winzergenossenschaften Verkostung und Verkauf an.
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