Deutsche Klassiker sind Marken, die noch heute mit Hand und Herz Produkte „Made in Germany“ herstellen, Den höchsten Qualitätsanforderungen standhalten und stellvertretend für beste deutsche Wertarbeit im In- und Ausland stehen. Teil 2: Dallmayr in München
Randlkofersche Marketingtalente im späten 19. Jahrhundert
Kaffee bei Dallmayr; Foto: Dallmayr, Stefan Randlkofer
Knapp 3 Millionen Menschen kommen jährlich durch die eleganten Schwingtüren in der Dienerstraße im Filetmittelteil von München, die Hälfte davon Touristen, mehr als das bayerische Märchenschloss Neuschwanstein Besucher zählt.
Einer davon, ein älterer Berliner mit bayerischen Wurzeln, würde zu gerne den Dallmayr Alois persönlich sprechen, ihm sagen, wie „knorke“, wie wunderbar hier alles ist. Doch der ist heute nicht da. Um genau zu sein, ist er seit 1895 nicht mehr da, dem Jahr, in dem der kinderlose Kaufmann mit dem Status eines Königlich Bayerischen Hoflieferanten seinen Kolonialwarenladen mangels eines Nachfolgers an Anton und Therese Randlkofer verkaufte.
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Der Berliner, er stellt sich als Zille vor, runzelt die Stirn: „Ick versteh nicht, überall steht doch Dallmayr druff und das seit 1700, wa?“ Und genau das wissen die wenigsten. Besagter Dallmayr übernahm um 1870 das Spezereiengeschäft , das Christian Reitter 1700 dort eröffnet hatte, wo heute noch das Stammhaus seinen Sitz hat.
Die Randlkofers übernahmen das in München bereits etablierte Geschäft sowie den bekannten Namen, eine weise Entscheidung. Kurz darauf starb Anton. Therese führte die Geschäfte allein fort und legte den Grundstein für eines der bedeutendsten Delikatessengeschäfte weltweit.
In einer Zeit, in der Frauen wenig zu sagen hatten und die Suffragetten vehement für das Frauenwahlrecht eintraten, eine echte Sensation. Therese hatte schon damals ein gutes Näschen für das, was man heute als Marketing bezeichnen würde. Die reiselustige Witwe wurde in vielen europäischen Königs- und Fürstenhäusern vorstellig, um weitere Hoflieferantentitel zu ergattern. Sie war so erfolgreich, dass mit dem bayerischen Königshaus und dem deutschen Kaiser am Ende 15 dieser Titel aus ganz Europa zu Buche standen. Besser als jede Werbung, denn wer den Hof belieferte, besser noch: die Höfe, musste – auch in den Augen aller anderen – sich einem besonderen Qualitätsversprechen verpflichtet fühlen.
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