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Nebel über Wismar; Foto: Georg Hundt www.georghundt.de

Deutschlandreise/4 - In Wismar auf Störtebekers Spuren

Wer kennt ihn nicht, den berüchtigten Piraten Klaus Störtebeker? Aber wussten Sie, dass sein Geburtshaus in Wismar gestanden haben soll? Die geschichtsträchtige Hansestadt lädt Seefahrerfreunde, Fischliebhaber und Architekturbegeisterte gleichermaßen zur Erkundungstour an Land und auf dem Wasser ein.

Text: Fritz Vossiek

Fotos: Georg Hundt

Zwischen Seemannsgarn und Geschichtsstunde

Novembernacht am Hafen; Foto: Georg Hundt www.georghundt.de

Novembernacht am Hafen; Foto: Georg Hundt www.georghundt.de

Seit 2002, als sie auf die Liste der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen wurde, wird der historischen Altstadt Wismars – wie schon den Pyramiden von Gizeh oder dem Grand Canyon – „ein außergewöhnlicher universeller Wert“ attestiert.

Da ist man gut bedient, wenn man fachkundige Führung hat, zum Beispiel jemanden wie Klaus Störtebeker, den berühmten Seeräuber, dessen Geburtshaus in Wismar gestanden haben soll. Nun liegt dessen große Zeit schon über 600 Jahre zurück, aber der 71-jährige Dr. Joseph Staffa ist ein würdiger Vertreter, der im Gegensatz zum Original seinen Kopf noch auf den Schultern trägt. In der Kluft des Piraten führt er durch die kopfsteingepflasterten Gassen mit ihren prächtigen gotischen Handels- und Bürgerhäusern, hat hier die eine, da die andere Anekdote zu „vertellen“.

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Nun ist Störtebeker aber keine „stinkige Landratte“, ihn – und mich dann auch – zieht es Richtung Hafen, vorbei am Marktplatz mit dem Brunnenhaus im Renaissancestil und dem klassizistischen Rathaus. Lohberg heißt die Meile, die zwar nicht mehr sündig ist, aber ein erster Anlaufpunkt für alle, die am Alten Hafen Leben suchen.

Poeler Kogge: Mit der Wissemara auf Kaperfahrt

Zu Störtebekers Zeiten gab es fast 200 Brauhäuser in der Stadt, die meisten schlimme Spelunken. Dieser Tage ist die erste Adresse das Brauhaus von 1452, das bis heute vor allem mit malzhaltigen Bieren, die Wismarer Mumme und Roter Eric heißen, Seebärendurst stillt und mit einem deftigen Mecklenburger Gulasch auch den Klabautermann ruhig stellt.

„Gulasch schwimmt nicht“, weiß Störtebeker und führt mich zu den vielen Fischständen, die Hering und Dorsch, Flunder und Scholle und alles, was sonst noch so in der Ostsee schwimmt, feilbieten. Mit Blick auf das Wasser, bei salziger Luft und nordischer Hafenatmosphäre schmeckt Fisch noch eine Nummer besser.

Störtebekers Schiff hieß Roter Teufel und es erfüllt Dr. Staffa sichtlich mit Wehmut, wenn er an die Gesunkene denkt. Doch die Geschichte der Kogge von Wismar zu erzählen, hellt seine Miene wieder auf, denn sie ist nicht nur eine wissenschaftliche Sensation, sondern inzwischen als Poeler Kogge auch eine touristische Attraktion.

1997 wurden vor Poel nämlich die Reste einer Kogge gefunden, die 1999 geborgen werden konnte. Das Baujahr ließ sich anhand der für den Bau geschlagenen Kiefern um das Jahr 1354 eingrenzen. 200 Tonnen konnte das gut 31 Meter lange Schiff schon damals laden. Während die Reste des Originals in konservierenden Bädern liegen, gibt es einen 2006 vom Stapel gelassenen originalgetreuen Nachbau. Und der segelt – wie zu Störtebekers Zeiten – ganzjährig unter dem Namen Wissemara.

Kulinarischer Kniefall im Oberdeck

Ob Störtebeker ein besserer Mensch geworden wäre, wenn er regelmäßig die Messe in der Seefahrerkirche St. Nikolai besucht hätte, ist hypothetisch. Fakt ist, dass sie wie ihre in den Zeitläufen der Geschichte fast untergegangenen Schwestern, der monumentale Sakralbau St. Georgen und der Turm von St. Marien, die heute wieder stark und prächtig stehen, einer der Hauptgründe für die Aufnahme der Altstadt auf die Welterbeliste gewesen ist. „Kopf hoch, Störtebeker, diese Stadt ist eine Perle, die immer schöner glänzt“, schüttele ich dem Doktor zum Abschied dankend die Hand.

Fischbrötchen können ja eine Delikatesse sein, doch ganz objektiv gibt es den besten Fisch von Wismar im Restaurant Oberdeck in der Seeperle. Direkt am Hafen, vis-à-vis des Liegeplatzes des eigenen Fischkutters Minna, kocht Rainer Wolter so vielversprechend, dass das Magazin Der Feinschmecker das Oberdeck unter die besten Fischrestaurants in Deutschland wählte. Und die müssen es ja wissen. Hätte der Scharfrichter auf dem Hamburger Grasbrook zum Beispiel den köstlichen Dorsch von Wismarer Fischern serviert, Störtebeker hätte sich vor der Enthauptung von ganz allein niedergekniet.

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