Sie gehören zu den schönsten Parks Europas, und die abenteuerliche Geschichte ihres Schöpfers sollte jeder kennen, der sie besucht, weiß Autor Cord C. Troebst.
Ein Genießer von Format
Fürst Hermann von Pückler-Muskau; Foto: Fuerst-Pückler-Park Bad Muskau/A. Roscher/D. Damzog
Hermann Ludwig Heinrich Graf von Pückler-Muskau (1785-1871), im Jahr 1822 in den Fürstenstand erhoben, war ein Genießer – und das in jeder Beziehung. Noch mit 81 verliebte er sich in eine 20-Jährige, nachdem er in seinem Leben bereits mehr Frauen beglückt hatte als Casanova. Eine davon war Machbuba, ein junges schwarzes Sklavenmädchen, das der Fürst auf einer Reise durch Nordafrika freigekauft und nach Bad Muskau mitgebracht hatte. Dort stellte er sie „Schnucke” vor, seiner Ehefrau. Die war solcherlei Eskapaden ihres neun Jahre jüngeren Mannes gewohnt, ebenso wie seine berühmten Tafelrunden.
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Populär geworden ist leider nur das „Fürst-Pückler-Eis” – was seine Durchlaucht nicht selbst kreierte, sondern ein untertäniger Cottbuser Konditor. Eine Kostprobe von dem, was bei Fürst Pückler zu festlichen Gelegenheiten serviert wurde, kann man heute im „Waldhotel Cottbus” bekommen. Dort bietet Hotelier Olaf Schöpe Menüs nach Originalrezepturen aus dem Pückler-Archiv an. Allerdings –wegen des Aufwandes – nur gegen Vorbestellung und für Gruppen ab sechs Personen.
Eine andere Attraktion ist die von Schöpe arrangierte 10-tägige „Fürst Pückler”-Tour, eine Radreise durch die Zeitgeschichte und die Landschaften der Lausitz. Sie führt durch Pücklers Parkanlagen von Muskau und Branitz, das Niederlausitzer Heideland, die Calauer Schweiz und durch den Spreewald. Das Gepäck reist zum jeweiligen Übernachtungshotel voraus. Wer es noch bequemer haben will, kann auch mit der historischen Dampf- Waldeisenbahn von Weißwasser nach Bad Muskau fahren oder zum eigenen Rundkurs von Cottbus aus im PKW starten. Um eine solche Tour richtig zu genießen, gehört ein wenig Wissen um das Leben des Fürsten.
Als junger Leutnant im sächsischen Garde du Corps in Dresden und später in preußischen, thüringischen und russischen Diensten war er ein Dandy von Format. Er duellierte sich häufig, lebte flott und fast immer über die – elterlichen – Verhältnisse. Mit einem Gespann gezähmter Hirsche fuhr er in Berlin „Unter den Linden” spazieren, sprang auf seinem Pferd in voller Montur von Dresdens Brühlschen Terrassen in die Elbe, gondelte in einem Heißluftballon über Berlin. Hoch verschuldet flüchtete er dann aus Wien, zog als Vagabund durch die Schweiz, Frankreich, Österreich und Italien. Seine späteren Berichte darüber machten ihn zum damals beliebtesten Reiseschriftsteller.
Dann, gerade 30 Jahre alt, erbt er das väterliche Gut in Muskau – und beginnt mit der Verwirklichung seines Jugendtraums: einem Landschaftsgarten, der heute nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in alter Pracht wieder erstanden ist. Pückler lässt dazu im flachen Heideboden Zehntausende von Kubikmetern Erde umsetzen und düngen. Ausgebeutete Alaungruben verwandelt er in Täler und Schluchten, er verordnet, Hänge und Hügel aufzutürmen, Seen und kleine Bäche anzulegen, dazu kilometerlange Wanderwege. Im Guts-Dorf lässt er, um Platz für den immer größer werdenden Park zu schaffen, eine Straße samt Gebäuden abreißen und an anderer Stelle wieder aufbauen. Überall in der Oberlausitz erwirbt er 20- bis 30-jährige Bäume, die mit eigens dafür gebauten, mächtigen Pflanzwagen herbeigeschafft werden. Sogar den Neisse-Fluss lässt er in ein neues, künstliches Bett umleiten.
Dann sind seine Durchlaucht pleite.
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