Fast jeder kennt sie, die Altenburger Skatregeln, die auf fast jedem Kartenspiel zu finden sind. Doch in Altenburg gibt es ein diebisches Vergngügen, wenn der historische Altenburger Prinzenraub aufgeführt wird. Die beste Zeit, um die hübsche Stadt zu besuchen.
23. Juni - 10. Juli 2011
Thüringen
Bühne frei für großes Volkstheater in Altenburg
Der Altenburger Prinzenraub; Foto: Thüringer Tourismus GmbH/Landestheater Altenburg/Hans-Peter Hebel
Thüringen lockt in den Sommermonaten mit Kulturhighlights, die man gesehen haben muss.
Altenburg ist als Stadt der Spielkarten weltberühmt. Wer in Deutschland Karten spielt, hält wahrscheinlich ein Produkt aus Altenburg in der Hand.
Doch Altenburg hat weit mehr zu bieten als Spielkarten. Die Residenzstadt ist reich an Sehenswürdigkeiten, allen voran das auf einem Felsen über der Stadt thronende Schloss:
Hier finden vom jedes Jahr von Ende Juni bis Anfang Juli die Altenburger Prinzenraubfestspiele statt. Bei diesem aufwendigen Open-Air-Theater wird ein packender Kriminalfall der deutschen Geschichte- das mittelalterliche Historienspektakel um den Raub der kurfürstlichen Prinzen Ernst und Albrecht - wieder lebendig, das Ganze vor der beeindruckenden Kulisse des Altenburger Schlosses.
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Hintergrund der Festspiele:
Die kurfürstlichen Brüder des Hauses Wettin, Kurfürst Friedrich II. und Herzog Wilhelm III., sollen das Land – ihr Erbe – untereinander in Sachsen und Thüringen aufteilen. Durch offensichtlich missgünstige Beratung der Brüder kommt eine befriedigende Teilung nicht zustande; Friedrich und Wilhelm geraten darüber in heftigen Streit.
Eine friedliche Lösung ist nicht in Sicht und so kommt es 1446 – 1450 zum sogenannten „Bruderkrieg“, der nur viel Geld kostet und natürlich kein Ergebnis bringt. An der Seite Friedrichs kämpfte im „Honorarauftrag“ Kunz von Kauffungen, einer der besten und bekanntesten Ritter seiner Zeit im Reich. Er verliert in diesem Krieg etliches an Hab und Gut, gerät in Gefangenschaft, aus der er sich mit 4000 Gulden freikauft. Das Geld und die Sachwerte will er vom Kurfürsten zurück. Er bekommt nichts und klagt vergebens.
Im Gegenteil, eine für ihn unerwartete Gegenklage ist derart massiv, dass Kunz Widerspruch einlegt. Er entschließt sich, seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, indem er mit Gleichgesinnten die beiden Söhne des Kurfürsten bei ‚Nacht und Nebel‘ am 7. Juli 1455 „kidnappt“ – ein zu dieser Zeit völlig probates und erlaubtes Mittel der Fehde. Er wird mehrere Tage gejagt, gefangen genommen und ohne Prozess (!) am 14. Juli 1455 in Freiberg / Sachsen hingerichtet.
Die Umstände der Prozesse, die seiner Gefangennahme und die politischen Hintergründe sind stets und bis heute Anlass zu Spekulationen, beschäftigen Historiker wie Rechtsgelehrte gleichermaßen.
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