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Sehnsucht Deutschland - Film
Der berühmte Canaletto-Blick in Dresden; Foto: Sylvio Dittrich/ DWT

Dresden - Enterbte Schönheit an der Elbe

Fast trotzig geizt Dresden auch nach Verlust des Welterbestatus nicht mit seinen prächtigen Reizen. Unsere Autorin Uta Buhr hat die enterbte Schönheit im Sturm erobert

Text: Uta Buhr

Höhepunkte des Elbflorenz

Aus einer anderen Zeit: Pfunds Molkerei; Foto: Pfunds Molkerei

Aus einer anderen Zeit: Pfunds Molkerei; Foto: Pfunds Molkerei

Der Tipp kommt von einem Asiaten, der nach zahlreichen Aufenthalten die Barockstadt an der Elbe besser kennt, als manch Einheimischer. „Reisen Sie unbedingt das nächste Mal mit dem Zug
aus Berlin an. Und das einzigartige Panorama mit Brühlscher Terrasse, Schloss und katholischer Hofkirche gleitet an Ihnen vorbei wie in einem Kulturfilm. Man könnte auch sagen, dass Sie die Ansichten des berühmten Canaletto hautnah erleben!“ Für Herrn Lee Wang aus Peking ist Dresden „die schönste Stadt unter dem Himmel“.
Als er zum ersten Mal als Student hier weilte, war gerade der Zwinger wieder aufgebaut worden. Die Frauenkirche lag noch in Schutt und Asche danieder. Von Tag zu Tag wird Dresden anmutiger, findet er. Der Neumarkt mit den originalgetreu nachgestalteten, in leuchtenden Pastellfarben gestrichenen Häusern gefällt ihm. Lediglich der „Kulturpalast“ – ein Relikt aus DDR-Zeiten – sei – O-Ton Lee Wang – „potthässlich“.

SDTV-Tipp: Blaues Wunder an der Dresdner Schwebebahn

mehr sehen unter www.sehnsuchtdeutschland.tv

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Es ist der Sitz der Dresdner Philharmoniker, die von hier den Ausblick auf eines der schönsten Bauwerke Dresdens genießen – die Frauenkirche! Unser Cicerone aus dem Reich der Mitte blickt auf seine Uhr. Leider hat er einen Termin und ist in Eile. Zuvor erteilt er uns in perfektem Deutsch noch ein paar Ratschläge für unseren Aufenthalt. „Auf keinen Fall die Neustadt und das Hygiene-Museum auslassen!” Eine leichte Verbeugung, und er verschwindet in der Menge.

Tau glänzt auf den Elbwiesen. Die ersten Sonnenstrahlen malen goldene Kringel auf das dunkle Wasser des Stromes und tauchen Turm und Zinnen der prächtigen Hofkirche in gleißendes Licht. Ein neuer Tag bricht an. Im „Italienischen Dörfchen“, einem behaglichen Café am Elbufer, sind bereits zu dieser Stunde sämtliche Tische besetzt. Wir bewundern die farbenprächtigen Malereien an den Wänden. „Mit der erklecklichen Summe von vier Millionen Talern erkaufte August der Starke, Kurfürst von Sachsen, sich 1697 die polnische Königskrone“, erzählt mein Begleiter. „Und um seinen neuen Untertanen zu gefallen, trat er zum Katholizismus über. Die Hofkirche ließ er von italienischen Arbeitern errichten, die an dieser Stelle wohnten.“ Bei einer Tasse dampfender Schokolade beraten wir unser weiteres Besichtigungsprogramm. Den Theaterplatz, einen der schönsten Plätze Europas, haben wir bereits erkundet. Er wird gesäumt von der im Stil der italienischen Hochrenaissance von Gottfried Semper errichteten Oper gleichen Namens, der Schinkelwache und dem barocken Residenzschloss.

Den Zwinger betreten wir durch das Kronentor. Hier tummeln sich Touristen aus aller Herren Länder. Babylonisches Stimmengewirr dringt an unser Ohr. Dem Zauber dieses barocken Gesamtkunstwerkes mit seinen eleganten Bogengalerien, sprudelnden Wasserspielen und dem anmutigen Nymphenbad kann sich kein Betrachter entziehen. Jetzt steht die Gemäldegalerie „Alte Meister“ auf unserer Agenda. Hier sind die Dresdner Ansichten des italienischen Malers Canaletto, Werke der flämischen Schule und Bilder italienischer Renaissancemeister ausgestellt. Vor der „Sixtinischen Madonna“ von Raffael hängt eine Menschentraube. „Sie war das teuerste Bild, das August jemals erwarb“, berichtet ein Museumsführer. „Die beiden Engel am unteren Bildrand sind auf unzähligen Postkarten abgebildet und wohl berühmter als die Mutter Gottes auf dem Gemälde.“

Den Höhepunkt einer jeden Reise ins „Elbflorenz“ aber bildet der Besuch des vor nicht allzu langer Zeit wieder eröffneten „Grünen Gewölbes“. Da sich hier nicht mehr als hundert Personen gleichzeitig aufhalten dürfen, ist es ratsam, bereits vor der Anreise Eintrittskarten im Online-Ticketshop unter www.skd.museum zu bestellen. Der Name der Schatzkammer leitet sich her von den grün gestrichenen Wänden der „Geheimen Verwahrung“ der Schätze. Dreitausend ungewöhnliche Exponate erwarten den Besucher. Wir sind schier geblendet von dem aus Edelsteinen und purem Gold geschaffenen „Hofstaat des Großmoguls Aureng-Zeb“.

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