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„Hungerbiene“ und edler Riesling sind die Spezialitäten des Weinguts Peth-Wetz

Winzerpersönlichkeiten im Fokus: Weingut Peth-Wetz

Bis Christian Peth kam. wurde im rheinhessischen Bermersheim nur Schoppenwein erzeugt. Dank des begnadeten Winzers ist nun Schluss mit beschaulichem Mittelmaß.

Text: Gotthard Scholz

Fotos: Weingut Peth-Wetz

Die Zeit ist reif

Im Weinberg zu Hause: Winzer Christian Peth

Im Weinberg zu Hause: Winzer Christian Peth

Christian Peths Karriere begann über den Wolken. Das klingt metaphorisch, ist aber tatsächlich so gemeint: Vor fünf Jahren schenkte eine große deutsche Airline einen Peth-Riesling in ihrer First Class aus. Unter Winzern gilt dies als Ritterschlag, führt es doch bildlich vor Augen, dass man ganz oben angekommen ist. Seither pflastern Medaillen seinen Weg, egal ob auf Landes-, Bundes- oder internationaler Ebene wie unlängst auf der Vienna Wine Challenge 2012.

Gestartet ist Christian Peth bei null. „Es ist für mich manchmal kaum noch vorstellbar, aber bis vor gut zehn Jahren produzierte mein Vater ausschließlich Trauben“, erzählt er. Der ehrgeizige junge Mann wollte mehr, genauer: eigene Topweine aus Rheinhessen erzeugen. Und er plante jeden Schritt dahin mit der ihm eigenen Präzision. Seine Lehre bei den Edelgütern Knipser und Keller entspricht in etwa einer Ausbildung in Oxford und Cambridge; danach folgten das Weinbaustudium und Auslandsaufenthalte in Chile, Australien und den USA.

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Die schwierigste Aufgabe war, seine Eltern davon zu überzeugen, dass die Weinberge im bis dahin unbekannten rheinhessischen Bermersheim nicht nur für Schoppenweine taugen, sondern ein riesiges Qualitätspotenzial bergen. Christian Peth gelang es, die Eltern zu diesem Wagnis zu überreden. Dabei ist der Mann alles andere als ein Maniker oder Überflieger. „Wein braucht Zeit. Und ich auch“, verteidigt er seine ruhige und bedächtige Art. Aber wenn er eine Entscheidung getroffen hat, dann setzt er sie um, auch gegen Widerstände. So besteht er darauf, Rivaner aus ertragsschwachen alten Reben zu erzeugen. Das kostet Menge, bringt aber das Mehr an Substanz und Finesse, das den Unterschied macht.

Ein anderes Beispiel sind seine Roséweine. Christian Peth träumte von frischen, knackigen, beerigen Rosés, fand hierzulande aber nur müde und alkoholstarke Tropfen. „Der Fehler ist“, befindet er, „dass Rosés in Deutschland wie Rotweine erzeugt werden. Vollreife, spät gelesene Trauben ergeben zwar große Rote, aber niemals einen filigranen Rosé!“ Darum erzieht er als einer der wenigen seine Trauben bereits im Weinberg zu Rosés, änderte den Rebschnitt und auch den Erntezeitpunkt. Dadurch erhält er Roséweine mit so viel Brillanz und Esprit, dass man es am Gaumen förmlich knacken hört. „Think Pink“ nennt er seinen Wein. Wenn das kein Motto für den Sommer ist!

Die weiße Königsdisziplin ist selbstverständlich der Riesling. Eine der besten Lagen um Bermersheim trägt den wunderschönen Namen Hungerbiene. „So einprägsam das Bild von den Riesling naschenden Bienen auch ist“, erzählt Christian Peth, „der Name leitet sich von ‚Bühne‘ ab. Der Weinberg befindet sich auf einer herausgehobenen Hochfläche und ist sehr karg – darum der Hunger.“ Von wegen! So wie dieser Riesling sich im Spitzenjahrgang 2011 mit Aromen vollgesogen hat, dürften die Bienen auf der Bühne summ und satt vor sich hin surren.

Weingut Peth-Wetz
Zwischen Worms und Alzey liegt das Weingut von Christian Peth und seiner Familie. Ob klassischer Riesling oder gewagter Rosé, die Peths geben ihren Weinen Zeit für Reife und Geschmack.
Alzeyer Straße 16, 67593 Bermersheim, Tel.: (06244) 44 24
www.peth-wetz.com

Weingewölbe San Martin
Direkt neben dem Weingut werden Peths Tropfen auf dem 120 Jahre alten Hofgut offen und aus Flaschen serviert. Inhaber San Martin ist bei Paul Bocuse in die Lehre gegangen.
Alzeyer Straße 2, 67593 Bermersheim, Tel.: (06244) 52 42
www.weingewoelbe.com

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