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Sehnsucht Deutschland - Film
In Nittel an der Obermosel liegt das Weingut von Horst Frieden

Moselmärchen vom Weingut Frieden-Berg

Die Obermosel ist das Refugium der raren weißen Rebsorten Elbling und Auxerrois. Winzer Horst Frieden lässt diese vergessenen Weine in nie vermutetem Glanz erstrahlen.

Text: Gotthard Scholz

Fotos: Saar-Obermosel-Touristik/Hans-Peter Merten; Dr. Joachim Schmid, FG RZ, FA Geisenheim/Wikipedia CC

Moselmärchen: Vom hässlichen Entlein zum weißen Schwan

Die Auxerrois-Traube ist ein eleganter Bruder des Weißburgunders

Die Auxerrois-Traube ist ein eleganter Bruder des Weißburgunders

Andere hätten mit ihrem Schicksal gehadert. Beginnen doch nur wenige Kilometer flussabwärts die Schiefersteilhänge der Mosel mit ihren weltberühmten Weinbergen, wo der Weintourismus floriert und das Geld schnell verdient wird. Doch Gram oder Resignation sucht man vergebens im Gesicht von Winzer Horst Frieden. Der hat nicht nur den seinigen mit dem Weinort Nittel gemacht, sondern die südliche Mosel quasi im Alleingang zu einer vielbeachteten Größe in der Weinwelt geführt.

Hinter Trier, Richtung Luxemburg und Frankreich, ändert die Mosel ihr Gesicht. Statt enger Schieferschluchten weitet sich die Landschaft zu einem breiten, von Kalkfelsen gesäumten Tal. Vor Urzeiten erstreckte sich hier ein Meer, dessen Grund mit Muscheln bevölkert war – das Pariser Becken. „Unsere Muschelkalkböden gehören zur selben geologischen Formation wie die Champagne oder das Chablis“, zeigt sich Horst Frieden begeistert. „Da gibt es überhaupt keinen Grund, unsere Weinberge kleinzureden.“

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Die angestammte Rebe an der südlichen Mosel ist der Elbling. Der hat mit der Elbe nichts zu tun, sondern bekam seinen Namen vom lateinischen Wort für „weiß“, albus. Der Elbling galt lange – weil anspruchslos und ertragreich – als Arbeitstier unter den Reben. „Als ich 1993 das elterliche Weingut übernahm, war der Elbling ein hässliches Entlein, dünn, säuerlich, gerade mal gut für die Sektindustrie“, erzählt Horst Frieden. „Aber ich habe fest an den Schwan geglaubt.“

Horst Frieden investierte in moderne Kellertechnik und reduzierte die Erträge drastisch. Vor allem aber ließ er die Trauben bis zum letzten Moment, bis kurz vor Beginn der Herbststürme, reifen. „Wenn die anderen mit der Lese durch sind, fangen wir erst an“, erklärt er das Geheimnis seines Elblings. Der zeigt sich so unglaublich frisch, so sensationell prall gefüllt mit Frucht, wie es bis dato niemand für möglich gehalten hat.

Seinen stärksten Auftritt hat der Elbling im Crémant. Dieser Winzersekt, erzeugt auf dem Weingut in traditioneller Flaschengärung, ist eine Offenbarung an Finesse und Sinnlichkeit. Nun hat Horst Frieden ein zupackendes Naturell, ohne neue Herausforderung langweilt er sich schnell. Die stellte sich jedoch bald in Form einer zweiten unbekannten Rebe, des Auxerrois. „Rare Vögel kommen selten allein“, flapst der Winzer.

„Der Elbling stammt nicht von der Elbe und der Auxerrois nicht aus Auxerre. Das passt!“ Horst Frieden kannte die Rebsorte von vis-à-vis, der Luxemburger Moselseite. Der Auxerrois gehört zur Burgunderfamilie und gilt als der elegante Bruder des Weißburgunders. Die Muschelkalkböden um Nittel, die den besten Terroirs des Burgunds ähneln, bieten perfekte Bedingungen für die anspruchsvolle Rebe. Zudem findet diese in Horst Frieden einen ebenso akribischen wie feinfühligen Winzer.

Geschmacklich bildet der Auxerrois den Gegenpart zum Elbling: ausgewogen, mild und wunderbar cremig. Gemeinsam haben die beiden Reben, dass sie großartig zu Spargel schmecken. Davon können Sie sich gern selbst überzeugen im Restaurant Rocco, das sich auf dem Weingut Frieden-Berg befindet. Oder Sie holen sich das Frühjahrspaket der SEHNSUCHT DEUTSCHLAND-Weinedition bequem nach Hause.

Weingut Frieden-Berg
Gut 20 Moselkilometer von Trier entfernt liegt Horst Friedens Gut in Nittel an der südlichen Weinmosel oder auch Obermosel. Luxemburg ist gegenüber, Frankreich nah. In der alten Gutsschenke, heute Restaurant Rocco, kommen alle Gutsweine und regionale Leckereien auf den Tisch.

Weinstraße 19, 54453 Nittel
Tel.: (06584) 990 70
www.frieden-berg.de

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