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Sehnsucht Deutschland - Film
Strand von Ahlbeck; Foto: www.usedom.de

Deutschlandreise/13: Usedom - auf der Sonnenseite der Ostsee

Nach Rügen, der größten Insel, ist Usedom die zweitgrößte Deutschlands. Ein Blick auf die Karte und man sieht, dass ihre zerklüfteten Küsten mit Buchten, Flüsschen und Seen vor Jahrmillionen geschaffen wurden.

Auf der Suche nach einer neuen Ostsee-Perspektive

Bäderarchitektur Usedom; Foto: Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern, Neumann

Bäderarchitektur Usedom; Foto: Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern, Neumann

Usedoms zerklüfteten Küsten mit Buchten, Flüsschen und Seen - genau das liebt Jane Bothe,
die Skipper auf der „Weißen Düne“ ist und den historischen Topsegelschoner auf den Törns durch das Usedomer Binnengewässer steuert. „Früher hat der Zweimaster Holz und Kartoffeln transportiert“, sagt die braun gebrannte Kapitänin, an deren langen blonden Haaren der Fahrtwind zupft. „Heute nehmen wir nur Gäste an Bord.“ Jane steht konzentriert auf der Brücke, dreht am Steuerrad und beobachtet die Segel. Das holländische Plattbodenschiff gleitet souverän über das
Achterwasser und den Peenestrom. Derweil beantwortet Jane alle Fragen zu den Kaiserbädern Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin, dem guten Verhältnis zum nahen Polen und der furchtbaren Geschichte von Peenemünde, jenem Ort im Nordwesten Usedoms, wo Wernher von Braun ab 1936 für die Nazis an der todbringenden Entwicklung ferngesteuerter Raketen arbeitete, zusammen mit 15.000 Wissenschaftlern, Militärs, Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen. „Hier haben wir 4 Meter Tiefe“, unterbricht Jane, „gleich nur noch 2.“ Für die schlickige Boddenlandschaft ist der flache Traditionssegler ideal.

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Usedoms feiner Sandstrand erstreckt sich über üppige 42 Kilometer. Das gefiel den betuchten Berlinern immer schon, weshalb heute so viel Villen-Charme und Seebrücken-Nostalgie aus der Kaiserzeit herrscht.
Heringsdorf war das vornehmste aller Ostseebäder, denn hier badete die kaiserliche Familie im Sommer. Sehen und Gesehenwerden war damals wie heute angesagt. So fragte einmal ein britischer Designer: „Where the hell is Heringsdorf?” Ein neues Mode-Event sorgte 1999 für Aufsehen in der Szene: Die gründerzeitliche Seebrücke war zum Catwalk umfunktioniert worden.
Seither laufen vor der schicken Kulisse der Bäderarchitektur schicke Models im Seewind und in extravaganten Kleidern über die Holzbohlen. Dreimal im Jahr zeigen junge Designer aus dem Ostseeraum ihre kreativen, witzigen und mutigen Kollektionen auf der „Bridge of Fashion“.

Am anderen Ende der langen Usedomer Sandbank, im Ostseebad Zinnowitz, versinke ich auf der Suche nach einer neuen Ostsee-Perspektive. „Luken dicht“, ruft der Kapitän. Die Tauchgondel senkt sich, die Unterwasserreise beginnt. Vor den Panoramafenstern blubbert es, die Duckdalben der Seebrücke, an der die Stahlkapsel verankert ist, und der Horizont verschwinden zusehends. „Wir haben zwei Schwimmwesten an Bord, eine für mich und eine für meinen Matrosen.“ Der Kapitän entpuppt sich als Komiker, alle lachen. In der ulkigen Tauchkapsel kommen mir der Film "20.000 Meilen unter dem Meer" nach dem Jules-Verne-Roman und die Abenteuer des Meeresforschers Jacques Cousteau in den Sinn. Doch der ging 90 Meter tief, während die Zinnowitzer Tauchgondel schon nach 3,5 Metern fast am Meeresboden schurrt, was mir durchaus angenehm ist. Denn plötzlich sind Gluckergeräusche zu hören. „Ein Leck?“, fragt einer. „Wer steigt zuerst aus?“, fragt der Käpt'n zurück. Außer Plankton und Seegras ist nicht viel zu sehen. Der Boden ist zu aufgewühlt. Nach sturmfreienTagen könne man meterweit sehen, beteuert der Gondelchef. Die witzige Show informiert aber auch über Meeresflora und -fauna, über die Milliarden von Einzellern und den Salzgehalt der Ostsee, der bei nur 8–12 Gramm pro Liter liegt. „Oh, eine Garnele“, sagt ein junger Typ. Ob sie abgerichtet sei, will er wissen. Jetzt lacht der Käpt'n. Man könne sogar Dorsche, Ohren- und Rippenquallen und Kegelrobben sehen.
Die bleiben für einen späteren Tauchgang.

Doch Usedom hat auch idyllische Dörfer, stille Seen und Wälder, Erlenbrüche und Hochmoore. Ich radele durch die abwechslungsreiche Landschaft, über Alleenstraßen, am Schmollensee entlang, erklimme den 58 Meter hohen Kückelsberg und erreiche das Dorf Benz. Die Reetdachhäuser und die Holländermühle haben schon viele fasziniert, auch den deutsch-amerikanischen Kunstmaler Lyonel Feininger.
Zwischen 1908 und 1918 machte er bei unzähligen Ausflügen Zeichnungen und Skizzen. Auf der Feininger-Route hefte ich mich an seine Spuren, kurve zu den Originalschauplätzen, wo er malte, beobachtete und lebte. Bronzeplatten kennzeichnen sie und weisen auf Feininger-Motive hin, etwa
die berühmte Benzer Kirche, die der Maler in zig Varianten und Techniken malte. Feininger selbst war ein passionierter Radfahrer und so ist die Route am authentischsten, wenn man radelt, vielleicht auf einem Cleveland, wie Feininger es Anfang des 20. Jahrhunderts tat.

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