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Sehnsucht Deutschland - Film

48 Stunden Rheingau

Klein ist der Rheingau, der als schönstes Kind Hessens mit seinen Reizen nicht spart. Wir haben uns mit einem Käfer Cabrio durch eine der wundervollsten Gegenden Deutschlands treiben lassen und wollen seitdem nur eines: zurück!

Text: David Pohle

Fotos: René Supper

SEHNSUCHT DEUTSCHLAND-Chefredakteur David Pohle: Unterwegs im Rheingau. Foto: René Supper

SEHNSUCHT DEUTSCHLAND-Chefredakteur David Pohle: Unterwegs im Rheingau. Foto: René Supper

Frau Schmolski putzte damals in meiner Schule. Sie kam aus Oestrich- Winkel, war beliebt und trotzdem in Hamburg nie so richtig glücklich geworden. Wenn sie sich unbeobachtet fühlte, bückte sie sich, langte in den Putzwagen, beförderte eine Flasche Riesling hervor und nahm einen kräftigen Schluck Heimat. Heinrich von Kleist hätte sie verstanden, er nannte den Rheingau schon vor 200 Jahren den „Lustgarten der Natur“. Und wer wollte so einen Landstrich schon freiwillig verlassen?

Ein Gau ist übrigens kein Störfall in einem Reaktor, sondern aus dem Althochdeutschen, ein am Wasser gelegenes Land. Also: das Land. Und weil der alte Goethe schon ins Rheingau, also in das Rheingau, fuhr, heißt es folglich auch so. Sagen die Deutschlehrer. Also: das Rheingau. Würde hier gut passen, denn das Rheingau erstreckt sich von Flörsheim am Main über Wiesbaden, Eltville und Rüdesheim bis zum Welterbe Mittelrheintal bei Lorch, auf ganzer Linie eingebettet zwischen Mitte Fahrwasser Rhein – die andere Hälfte gehört zu Rheinhessen und das wiederum zu Rheinland-Pfalz – und zu den mächtigen Wäldern des Taunus.

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Der Duden bestätigt das Rheingau, wenn die Landschaft gemeint ist, der Rheingau, wenn, ja – was auch immer. Winzer schütteln nur den Kopf und sagen der Rheingau. Und da dies auch ein bisschen Jacke wie Hose ist, machen wir es im Winzerland wie die Winzer. Oder gerade so, wie es passt. Natürlich ist der Rheingau größer, doch wer von ihm spricht, meint den überschaubaren Teil, der es sich lustvoll zwischen Rhein und den sanften Weinbergen des zum Taunus gehörenden Rheingaugebirges bequem macht. Und falls Sie mal in die Verlegenheit kommen sollten, bei Günther Jauch die Millionenfrage gestellt zu bekommen: Das Rheingau ist in Hessen. Der natürlich auch.

14.16 UHR Eine Halle Oldtimer, bitte!
Der Weg geht jetzt über Wiesbaden, wo Justus Schminke vor seiner randvoll mit Oldtimern gefüllten Garage steht und grinst. Vermutlich kann er sich nicht vorstellen, dass ich meine langen Beine hinters Lenkrad des weißen Käfer Cabrios von 1972 bekomme. Schminke vermietet auch ein Lebensgefühl, alte Traumautos, solche mit Blech und Chrom, Kanten und Macken, keine aseptischen Joghurtbecher, wie ein Freund das moderne Durchschnittsauto nennt.

Ich wollte den Käfer. Meine Mutter hatte auch mal einen. Den durfte ich fahren. Immer. Ein paar Mal auch wogegen. Das verbindet. Ich klettere hinters Lenkrad. Vor 28 Jahren war mehr Platz. Aber wenn man erst mal sitzt, sitzt man gut. Wir rollen vom Hof, es regnet, leichter Wassereinbruch. Das war schon früher ganz normal, sogar ab Werk. Als es aufhört, ersetzt der Fahrtwind das Wasser, nur lauter. Ich drücke aufs Gas. Gefühlte 140 km/h sind reelle 60 km/h. Sonores Knattern. Besonders schön zu hören unter Brücken oder in engen Straßen. Alles wie früher. Ein Auto wie mein alter Freund Kuhlmann: ewig nicht gesehen, sofort vertraut.

15.03 UHR Würtz und Freunde in Hattenheim
Eine halbe Stunde später erreichen wir den kleinen Weinort Hattenheim, hinter Eltville und noch vor Oestrich und Winkel. Auf der einen Seite der Rhein und die Straße, mittendurch die Bahn, pittoresk nur in der Mitte. Über einen schlaglochgesäumten Feldweg rumpelt der Käfer zum Weingut Balthasar Ress. Da wollen wir Dirk Würtz (46) treffen, eine der schillerndsten Figuren im deutschen Wein, im Rheingau ohnehin. Er ist ein Anpacker, eine echte Type und hat das einst schwächelnde Weingut seit 2009 erfolgreich auf links gedreht, behutsam und mit Umsicht.

Unkräuter würdigt er als Wildkräuter, verzichtet teilweise komplett auf Herbizide, weil der Weinberg ein gesunder Mikrokosmos sein soll. Ziel ist es, komplett auf ökologischen Weinbau umzustellen. Viel Handarbeit und Überzeugung gehören dazu, denn wenn Würtz Aussaattage unter Berücksichtigung der Kraft des Mondes bestimmt, halten das nicht wenige für esoterischen Quatsch.

Weinpapst Robert Parker jedoch, der den Rheingau viele Jahre lang als eine der langweiligsten der 13 deutschen Weinanbaugebiete gesehen hat, sieht – „Ress sei Dank“ – im Rheingau eine sehr vielversprechende Entwicklung.

Und mit seinem Würtz-Blog ist er ein Social-Media-Star der Weinszene. Wir haben angerufen, ihn nicht erreicht, jetzt parken wir neben seinem alten VW-Bulli. Ein gutes Zeichen. Denn er ist da. Ein großer Kerl mit breitem Lachen, einem Händedruck wie ein Schraubstock und der angeborenen Gastfreundschaft des Winzers. Er arbeitet. Sagt er. Das heißt, er probiert gerade die neuen Spätburgunder von Balthasar Ress – irgendeiner muss den Job ja machen–, den billigen ab rund 10 Euro, den mittelbilligen und den nicht ganz so billigen, und stellt uns Gläser vor die Nase. Wilhelm Weil, ein alter Freund, Nachbar und ein Grandseigneur des deutschen Weins, probiert ein wenig mit. Man kennt, schätzt und mag sich.

20 Gläser standen schon auf dem Tisch, bald sind es doppelt so viele, denn wir sollen alles verkosten, worauf das Gespräch gerade so kommt: Orange ist ein maischevergorener Weißwein, den man sich vorab erklären lassen sollte. Dann Sölring von der Nordseeinsel Sylt („Die ersten Jahre haben die Touristen die Trauben weggefuttert, mit Zaun haben wir das erste Mal gelesen.“) und als ich noch überlege, wann ich das letzte Mal deutschen Sekt trank, („Da kann man Champagner doch vergessen.“), fliegt auch schon der Korken durch die Luft.

So macht man Freude. Weil muss weg. Würtz, dem gebürtigen Rheinhessen, ist das Rheingau eine Herzensangelegenheit. „Folgt mir, ich zeig euch was.“ Schon trotten wir über kleinste Wirtschaftswege durch die Weinlagen. Oben hält Würtz an, springt auf die Ladefläche seines Pick-up-Trucks, streckt die mächtige Winzerhand aus und zieht uns einzeln hoch. „Das vor uns ist eine Laune der Natur, eine sehr schöne sogar“, sagt er mit feierlicher Stimme. Denn nur hier zwischen Wiesbaden und Rüdesheim fließt der Rhein von Ost nach West, während er sonst auf seinen gut 1200 Kilometern vor allem gen Norden unterwegs ist.

Milde Winter, warme Sommer und Herbstnebel, volle Sonne, die hier öfter scheint als anderswo – nur gerade nicht. Die weite Landschaft mit sanften, weichen Formen und Wein. Überall Wein. Ein begünstigter Landstrich, bemerkte schon Hochstapler Felix Krull und blieb ausnahmsweise mal bei der Wahrheit. All das liebt die gemeine Rebe. 80 % Riesling, 12 % Spätburgunder wachsen hier auf gut 3000 Hektar Anbaufläche, leidenschaftlich beackert von knapp 700 Winzern, viele davon im Nebenerwerb.

Fast andächtig zeigt Würtz nach Ingelheim auf die andere Rheinseite: „Da saß Kaiser Karl der Große im Frühling in seiner Pfalz, guckte rüber und stellte fest, dass der Schnee hier schneller schmolz als anderswo. Das war hier der Anfang des Weinbaus.“ Und das ist ja schon ein paar Tage her.

„Da drüben“, Würtz deutet nach rechts, „der Steinberg voller Rieslingreben, seit bald 900 Jahren von Mönchen des Kloster Eberbach mit einer Steinmauer umgrenzt, im Westen Schloss Vollrads, eines der ältesten Weingüter der Welt, und dahinter schon Schloss Johannisberg, wo zufällig die Spätlese erfunden worden ist.“ Natürlich gibt es eine fantasievolle Anekdote: Damals brauchten die Mönche eine Erlaubnis, um mit der Lese zu beginnen. Die sollte ein Reiter vom Bischof in Fulda holen. Auf dem Rückweg 1775 geriet er – so meine Lieblingsversion – in die Hände einer edelsüßen Blondine, vergaß die Zeit und die Trauben. Als er endlich kam, waren die Trauben verfault – und köstlich! Die Edelfäule war zufällig entdeckt und mit ihr die Beerenauslese geboren worden.

„Tja, und da“, zeigt er hinunter, „wohnt mein Freund Hansi Bausch, ein Rheingauer Winzer, wie er nicht typischer sein könnte.“ Bausch, gelernter Maschinenschlosser, Spediteur, Pferdeliebhaber, hemdsärmelig, wird auch für uns schnell zu Hansi. Er hat bei der viel beachteten Schoppen-Trophy den 3. Platz belegt. Dabei werden per Blindverkostung die einfachsten Gutsweine Rheingauer Winzer bewertet. „Wenn der einfache Wein gut ist, sind es die anderen vermutlich auch. Und andersrum“, sagt Würtz und haut Bausch krachend auf die Schulter. Zwei Kartons vom Gutsriesling kommen unter die Käferhaube.

19.15 UHR Rüdesheimer Drosselgass`
Bevor wir nicht mehr fahren können, verabschieden wir uns wehmütig. Eine Viertelstunde später parken wir im Hinterhof des familiären Lindenwirts in Rüdesheim vor einem Weinfass namens Katerloch. Es hat Bett und Dusche, ist ein gemütlicher Renner bei den Gästen. Weil heute schon jemand drin liegt, stellen wir unser kleines Gepäck in ein großzügiges Zimmer mit Tür zur Drosselgasse. Auf der anderen Seite des schmalen Laufstegs liegt das Rüdesheimer Schloss, für uns Restaurant, sonst auch Hotel.

Fragen Sie dort auch nach der Raritätenkarte. Von 1727 (da starb der Physiker Newton) ist der Rüdesheimer Apostelwein – kostet 2500 Euro für 0,375 Liter. Aus neuerer Zeit sind viele Flaschen dabei, die ein trinkbares und auch finanzierbares Erlebnis sind. Für uns gibt es einen jungen Riesling und hessische Tapas, Forelle aus dem Wispertal sowie Handkäs mit Rheingauer Musik – wobei letztere im günstigsten Fall erst nach Verlassen des Lokals als harmonische Flatulenz ertönt.

Derweil haben direkt neben uns offensichtlich vom Wein und auch vom Zauber des Rheingaus euphorisierte Flusskreuzfahrer aus den USA die Knie gebeugt, und kreieren mit dem Hintern wackelnd und zum Ententanz ausgelassen quakend bleibende Erinnerungen an unsere berühmte German Gemütlichkeit.

Wir sind erstaunt, beobachten und lachen. Wir werden dabei bestens von den reizenden Bedienungen umsorgt. Wir vergessen die Zeit. Und auf einmal ist es ruhig. Alle Enten sind weg. Flussabwärts werden sie neuen Abenteuern entgegentreiben: Welterbe Mittelrheintal, Burgenromantik, Loreley, Deutsches Eck, Köln und Düsseldorf. Kölsch und Altbier. Höhepunkte einer Deutschlandreise.

Wir sind noch geblieben. Schlendern die jetzt menschenleere Gasse hinauf, atemlos versucht sich eine Sängerin am gleichnamigen Gassenhauer. Als ich später im Bett liege, höre ich noch leise Bruchstücke der Sommerhits von anno dazumal. Darüber schlafe ich ein. Ein normaler Dienstagabend in der Drosselgasse in Deutschland.

Später als gedacht war es geworden, in der schmalen, berühmten 144 Meter langen Gasse, durch die sich jedes Jahr Millionen Touristen schieben, um wenigstens eine Flasche Asbach Uralt vom Rhein mit nach Hause zu schleppen.

10 UHR Breuer’s Reparatur-Schoppen
Jetzt ist es 10 Uhr und wir stehen vor Theresa Breuer, sind viel größer als sie und sehen offenbar durstig aus. Die junge Winzerin ist die Frontfrau des Weingutes Georg Breuer, das auch zum Rüdesheimer Schloss gehört, und bietet uns freundlich einen „Reparatur-Schoppen“ an. Wir lehnen dankend ab, so schlimm war es überhaupt nicht, und sie stöhnt ein freundliches: „Zur Not haben wir aber auch Wasser.“ Die quirlige Winzerin gehört zur jungen Generation Riesling, reist viel, hat branchenunüblich auch ein paar Tätowierungen vorzuweisen und vermarktet ihre Weine weltweit. Immer persönlich, bodenständig und mit ganzem Einsatz: „Ich liebe Tradition, man muss sie nur täglich aufs Neue mit Leben füllen.“

Wir sind auf dem Sprung, wollen eigentlich mit der Gondel zum Niederwalddenkmal fahren, da ruft Rupert Riedel an: Ob wir Zeit hätten, das ehrgeizigste Freizeitprojekt des Rheingaus anzuschauen? Klar, haben wir! Ein riesiger Waldkletterpark und -turm auf der 580 Meter hohen Hallgarter Zange wird in ein paar Tagen eröffnet.

Die Sonne kommt raus, wir schmeißen das Dach auf, kaufen ein paar Frauensteiner Kirschen am Straßenrand und machen kernweitspuckend noch einen Schlenker zum von eigenen Weinbergen umsäumten Kloster Eibingen. Müßig zu erwähnen, dass auch das nur ein paar Minuten entfernt ist. Die Universalgelehrte und Heilige Hildegard von Bingen, Namensgeberin der dortigen Abtei St. Hildegard, wäre sehr angetan von den freundlich-geschäftstüchtigen Benediktinerinnen, die nicht nur den lieben Gott ehren, sondern im großen Klosterladen eigene Weine und die leckersten Dinkel-Kastanienkekse der Welt verkaufen. „Dinkel ist das beste Getreide“, wusste schon Hildegard um 1100. Diesen Keksen nach zu urteilen, hat sich wohl nichts geändert.

14.15 UHR Hallgarter Zange
Ein paar Krümel auf dem Schoß und 10 Minuten später sind wir auf der Zange, 25 Höhenmeter später auch auf dem Turm. Oben zeigt Riedel nach Südwesten und sieht bis Frankreich. Sagt er jedenfalls. Auf alle Fälle ist er visionär. Und mutig. Ich kann jedenfalls nicht so weit gucken, aber das sagenhafte Panorama, das sich von Wiesbaden über das gesamte Rheingau wie auf einer reich verzierten Picknickdecke ausbreitet, erzeugt ein wohliges Kribbeln im Magen. Auch bei Riedel: „Hier oben wird man schon im Mai übernachten können. Stellt euch mal vor, dieser Blick ist das erste, was ihr morgens seht! Ist das nicht sagenhaft?“, freut er sich.

15.08 UHR Spätlese und Schloss Vollrads
Das Leben sei zu kurz, um schlechten Wein zu trinken, hat Goethe gesagt. Und recht hat er. Nachdem ich mich selbst an einem Langzeitprojekt mit einer Europalette Rivaner versucht habe, wandle ich den Spruch – was kümmert mich mein Geschwätz von gestern – gern ab in: „… zu kurz, um immer denselben Wein zu trinken“. Als wir die prächtige Allee zum Schloss Johannisberg hochfahren, um ein Foto mit dem Spätlesereiter zu machen, während wir, nur zwei Katzensprünge entfernt, durch das hübsche Schloss Vollrads streifen und laufend an herrlichen Weinbergen, -hängen, -gütern vorbeifahren, bin ich sicher, dass beide Gefahren im Rheingau leicht vermeidbar sind.

16.35 UHR Farbenspiel bei Allendorf
Manchmal kann man sogar denselben Wein trinken, und er schmeckt trotzdem immer anders. Im Weingut Allendorf in Oestrich-Winkel – jüngst mit herausragenden Rieslingen aus 2014 geehrt – gibt’s dafür eine eigene Weinerlebniswelt. In der geht es um Gerüche, Gefühle: „Wein ist nicht nur eine Flüssigkeit“, meint Frau Allendorf, „Wein ist Leidenschaft“ – und bekommt so ein Glühen in den Augen. Dann führt sie uns in einen Raum, der nacheinander in andere Lichter getaucht wird.

Das Glas in der Hand, ermuntert uns Frau Allendorf , im roten Licht an die Liebe zu denken. Schon wieder dieses Glühen. Und der Wein scheint süßer zu werden. Im grünen „Frühling“ saurer, im blauen „Nordpol“ wässriger. „Es sind die Farben, die die Nase, die Augen betören, ja, betrügen können“, freut sich Frau Allendorf, dass es auch bei uns – wie bei rund 95 % aller skeptischen Oberexperten – geklappt hat.

17.50 UHR Tegernsee beim Laufer
Als kleiner Junge wollte ich immer gern in einem Eisladen arbeiten. Auf Lohn hätte ich verzichtet, Naturalien hätten völlig ausgereicht. Im Rheingau ist es ähnlich, überall Wein: wie eine Möhre vor des Esels Schnauze. Aber als Josef Laufer mich endlich fragt, ob ich ein blitzkaltes Tegernseer oder einen Riesling als Apéro trinken möchte, sage ich: „Bier, bitte“, setze mich vor die Tür seines Krugs in Hattenheim und lasse Seele und Beine in der Abendsonne baumeln. Viel los ist nicht, schräg gegenüber hat die berühmte Adlerwirtschaft von Franz Keller heute Ruhetag, und nur dann und wann hält jemand am Geldautomaten und fährt reicher bestückt als vorher wieder fort.

„Wenn Sie so weit wären, könnte es losgehen“, lächelt Herr Laufer und bittet uns in die schwer gemütliche, urig-dunkle Gaststube zu einem mehrgängigen Menü, das von köstlichen Grüßen aus der Küche begleitet wird. Dinge wie Tandori von der Wachtel, geeister Gänseleberschaum an gebratener Jakobsmuschel, die besten Stücke vom heimischen Damhirsch und göttlicher Streuselkuchen mit Zwetschgen. Dazu gibt es Weine vom hauseigenen Weinberg, der mit 0,9 Hektar erstaunlich schöne Rieslinge und Spätburgunder liefert, die als Flaschen um die 20 Euro liegen. Da lacht der Großstädter und schenkt sich nochmal nach. Aber nicht zu knapp, Frau Schmolski.

14 UHR Sehnsucht Rheingau
Am nächsten Tag geben wir unseren Käfer wieder ab. Überall hatten wir mit ihm für freundliches Aufsehen gesorgt, wir wurden wie nette älterere Herren behandelt, man ließ uns gewähren, half uns über die Straße und zollte Respekt und Anerkennung. Und niemand unterbrach uns, wenn wir ins Schwärmen kamen. Das hat uns sehr gefallen im Rheingau. Und frei nach Goethe sage ich deshalb: Das Leben ist zu kurz, um nur einmal im Rheingau gewesen zu sein. Und ich freue mich schon aufs nächste Mal.


Tipps für Genießer

Genießer haben sich im Rheingau schon immer pudelwohl gefühlt. Und damit es Ihnen auch so geht, kommen hier unsere besten Empfehlungen, um der SEHNSUCHT in den Rheingau zu folgen:

Hattenheim

Weinhaus Zum Krug Klein und fein, so soll es sein. Josef Laufer III . führt das historische Gasthaus in dritter Generation: eigene Weine, köstliches Essen, einige Zimmer schön modernisiert, WLAN. DZ ab 125 Euro mit Frühstück. Sonntag und Montag hat das Restaurant geschlossen, das Hotel nicht.
Hauptstraße 34, 65347 Eltville/Hattenheim, Telefon: 06723/99 680
www.hotel-zum-krug.de

Die Adlerwirtschaft Schräg gegenüber vom Krug bieten Franz Keller – Bruder von Fritz vom berühmten Kaiserstühler Weingut Franz Keller – und Sohn Franz Keller vom Einfachsten das Beste. Das lieben Feinschmecker aus dem ganzen Land seit über 20 Jahren. Vieles kommt vom familieneigenen Falkenhof über dem Wispertal. Dienstag und Mittwoch sind Ruhetage. Ein paar Zimmer gibt es auch. DZ ab 72 Euro.
Hauptstraße 31, 65347 Hattenheim im Rheingau, Telefon: 06723/79 82
www.franzkeller.de

Weingut Balthasar Ress Mächtig im Kommen. Dank Maria Thun und vor allem dank Dirk Würtz. Wer jetzt Rebstöcke im Rheingau oder in Keitum auf Sylt pachtet – 3 Jahre kosten 85 Euro – bekommt pro Rebstock eine Flasche von der Ernte. Und eine schicke Urkunde gibt's obendrein. Die Vinothek Hattenheim hat für Verprobungen und Kauf täglich von 8 bis 18 Uhr, an Wochenende bis März von 11.30 bis 17 Uhr geöffnet. Tolle Bar und schwer angesagte Vinothek in der Mauergasse 10 in Wiesbaden.
Rheinallee 50, 65347 Hattenheim/Rheingau, Telefon: 06723/91 950
www.balthasar-ress.de


Rüdesheim

Lindenwirt Das Traditionshaus in Familienhand ist Partner von BMW Motorrad. Das heißt, Gäste können sich einen „Bock“ leihen um durch den Rheingau zu cruisen, Führerschein vorausgesetzt. Hotelier Thomas Dichtl fährt damit sogar zur Jagd. Es kommen lecker Wildgerichte auf den Tisch. Ein anderer Knüller sind die Nächte in einem Original-Weinfass. Nichts für Große und Verliebte: Die Betten sind 1,85 Meter lang und stehen in Händchenhaltentfernung. Ein normales DZ 89 Euro, Weinfass 77 Euro. Jeweils mit Frühstück und WLAN.
Drosselgasse 1, 65385 Rüdesheim am Rhein, Telefon: 06722/91 30
www.lindenwirt.com

Breuers Rüdesheimer Schloss Auf der anderen Seite der Drosselgasse: Forellen aus dem Wispertal, Handkäs sowieso, ein beeindruckender Weinkeller mit vielen Georg-Breuer-Weingutsweinen. DZ ab 125 Euro mit Frühstück und mit WLAN.
Steingasse 10, 65385 Rüdesheim am Rhein, Telefon: 06722/90 500
www.ruedesheimer-schloss.com

Weingut Georg Breuer
Mitten in Rüdesheim verleitet die Vinothek des Weinguts, mit der jungen Teresa Breuer an der Spitze, zu obszönen Spontankäufen.
Grabenstraße 8, 65385 Rüdesheim am Rhein, Telefon: 06722/10 27
www.georg-breuer.com

Weinbar Ehrhard Lässig und lustig kann es zwischen hohen Regalen, voll mit Weinen aus dem Rheingau und aller Welt, in dieser wunderbaren Weinbar mit Küche zugehen. Fragen Sie nach Big Betty. Sonntag und Montag geschlossen, sonst ab 17 Uhr.
Geisenheimer Straße 3, 65385 Rüdesheim am Rhein, Telefon: 06722/47 396
www.carlehrhard-winebar.com

Niederwalddenkmal Das muss man gesehen haben. Die gesamte Anlage ragt 38,18 Meter in die Höhe und wiegt in der Gesamtheit etwa 75 Tonnen. Obendrauf die weithin sichtbare Germania. Am besten schweben Sie mit der Seilbahn hoch und runter, für 7 Euro. Ab 21. März geht es los. Es gibt aber auch im Januar/Februar die Möglichkeit, mit dem Auto hochzufahren oder zu wandern.
Oberstraße 37, 65385 Rüdesheim am Rhein, Telefon: 06722/2402
www.seilbahn-ruedesheim.de


Oestrich-Winkel

Cornel’s Pssst, Supergeheimtipp: kleiner Biomarkt und gleichzeitig ein Bistro, Café und Winebar. Im Sommer sitzt man draußen zwischen Reben im Weingarten, im Winter drinnen bei Kerzenlicht. Ein paar urgemütliche Zimmer gibt es ab 90 Euro, für 12,50 Euro extra mit tollem Frühstück und Kaffee, der den Namen verdient. Im Januar und Februar geschlossen.
Hauptstraße 37, 65375 Oestrich-Winkel, Telefon: 06723/80 49 993
www.cornel-s.de

Ankermühle Unterhalb von Schloss Johannisberg, mitten im Wein, glänzt man hier im Restaurant mit alten Rezepten, hochwertigen Lebensmitteln und sogar Maultaschen als Hommage an die Eigentümerin. Historische Mühle, eigenes Weingut, täglich ab 17 Uhr.
Kapperweg, 65375 Oestrich-Winkel, Telefon: 06723/24 07
www.ankermuehle.de

Weingut Allendorf Noch ein herausragendes Weingut. Erstaunlich ist die Weinerlebniswelt, die allein durch Licht auch für selbsternannte Experten ungeahnte Geschmacksverwirrungen zaubert. Täglich von 8–12 Uhr und 13–18 Uhr.
Kirchstraße 69, 65375 Oestrich-Winkel, Telefon: 06723/91 850
www.allendorf.de


Geisenheim

Schloss Johannisberg Spektakuläre Lage oberhalb der Ankermühle. Hier wurde die Spätlese erfunden, und ein Foto mit dem Reiter gehört zum Rheingaubesuch wie ein Karton Riesling unter die Käferhaube. Ein Gutsrestaurant mit famosen Blick über den Rheingau.
Schloss Johannisberg, 65366 Geisenheim-Johannisberg, Telefon: 06722/70 090
www.schloss-johannisberg.de

Rheingau Gourmet Festival Vom 25. Februar bis 13. März ist der Rheingau fest in der Hand der besten Köche der Welt: Christian Bau, Sven Elverfeld, Harald Wohlfahrt und Klaus Erfort aus Deutschland haben allesamt jeweils sagenhafte 3 Michelin-Sterne, ihre internationalen Kollegen kaum weniger. Jahrhundertweine, Gala-Dinners an verschiedenen Orten. Auftakt im Kloster Eberbach. Ab 32 Euro bis 1980 Euro. Telefon: 06723/640
www.rheingau-gourmet-festival.de


Eltville

Kloster Eberbach „Der Name der Rose“ mit Sean Connery wurde hier gedreht. Auf 9 Jahrhunderte Weinbautradition blicken die Zisterzienser zurück, einige werden wohl folgen. Das ist so beeindruckend, groß und schön im Wald versteckt, das muss man einfach gesehen haben. Es gibt eine Vinothek, Wein- und Klosterführungen, Klosterbier und -schänke. Auch übernachten kann man hier – schlicht, ruhig und komfortabel. DZ ab 133 Euro.
65346 Eltville, Telefon: 06723/91 78 100
www.kloster-eberbach.de

Gutsausschank Baiken Inmitten der Weinhänge, mit Blick über das Rheintal. Vom Michelin mit einem BiB-Gourmand (d. h. regionales 3-Gänge-Menü um die 30 Euro), gelobte Küche, viele Rheingauer Spitzenweine, bis März nur Donnerstag bis Samstag ab 17 Uhr, telefonisch reservieren.
Wiesweg 86, 65343 Eltville, Telefon: 06123/90 03 45
www.baiken.de

Anleger 511 Für den Frühling vormerken: Direkt am Rhein liegt neben der Eltviller Burg dieses außergewöhnliche Ausflugslokal, mit 120 Plätzen auf der Terrasse, 30 drinnen.
Platz von Montrichard 2, 65343 Eltville, Telefon: 06123/68 91 68
www.anleger511.de

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