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Sehnsucht Deutschland - Film

Winzer im Fokus - Nikolas Michel

Die „Generation Dornfelder“ tritt ab in Rheinhessen. Mit Winzern wie Nikolas Michel beginnt jetzt ein deutsches Weinmärchen.

Text: Gotthard Scholz

Fotos: Dieth+Schröder Fotografie

Wie einer loszog und den Wein neu erfand...

Spritziger Wein vom Schlossmühlenhof.

Spritziger Wein vom Schlossmühlenhof.

Nikolas Michel ist ein Phänomen. Was immer er einem einschenkt, es versetzt Nase und Gaumen in helle Aufregung. Fragt man ihn nach dem Geheimnis für so viel Klasse, sagt der Dreißigjährige: „Ich mache nichts, was die anderen nicht auch tun.“ Klingt vage, enthält aber eine wichtige Spur. Denn die anderen, das ist eine ganze Generation von bestens ausgebildeten Winzertalenten, die in Rheinhessen quasi aus dem Nichts auftauchen und ihren bis dato unbekannten Weinlagen erstaunliche Qualitäten entlocken.

Untereinander – auch das ist neu – sind sie bestens vernetzt. Gemeinsam probieren sie ihre

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Weine, gehen neue Wege und pushen sich nach vorn. Das erklärt vieles. Aber es bleibt ein ungläubiges Staunen. Rheinhessen? Das waren doch diese plüschigen Etiketten mit dem lieblichen Inhalt, den man bestenfalls für die Großtanten auf den Tisch stellt. Haben wir da etwas übersehen?

Das Weingut in der alten Mühle gegenüber dem Kettenheimer Schloss existiert in sechster Generation. „Mein Vater war unglaublich innovativ“, erzählt Nikolas Michel. „Er hat in den Keller investiert und vor allem den Rebenmix komplett erneuert.“ An Engagement mangelte es den Vätern der heutigen Talente also nicht, nur war das Geschäftsmodell dieser „Generation Dornfelder“ ein anderes.

Als sie in den Achtzigern die Betriebe übernahmen, war die kulinarische Szene vollständig auf Italien und Frankreich fixiert. Deutsche Weine, und waren sie noch so gut, wurden schon deshalb nicht getrunken, weil sie deutsch waren. Also konzentrierten sich die Väter auf eine Klientel, die geschmacklich traditionell und preislich eher sensibel war. Dies gelang mit neuen Rebsorten, die bei hohen Erträgen beständige Qualitäten lieferten: Dornfelder, Müller-Thurgau oder Faberrebe. „Dieser Weinstil war erfolgreich. Aber die Klientel dafür wächst nicht nach“, weiß Nikolas Michel.

So entwickelte er nach dem Weinbaustudium in Geisenheim eine neue Vision für den Familienbetrieb, was ihm umso leichter fiel, als es seiner eigenen Weinleidenschaft entsprach. Die spätestens mit dem Fußballsommermärchen 2006 neu entfachte Nachfrage nach hochwertigen heimischen Weinen gab Nikolas Michel die Steilvorlage, die er mit dem Erfolgshunger eines Bayern-Fans – einige sagen: sein einziger Makel – verwandelte.

Sein Ehrgeiz gilt vor allem den kapriziösen weißen Burgunderreben. Am hauseigenen Goldberg fand er genau die seltenen Muschelkalkböden, die hochklassige Grau- und Weißburgunder lieben. „Auf fast 300 Metern Höhe ist es am Goldberg im Herbst schon empfindlich kühl. Da musst Du volles Risiko gehen“, sagt Nikolas Michel. Risiko, das bedeutet geringe Erträge, strenge Selektion der Trauben und extrem späte Lese – eben das, was die anderen auch tun. Und doch sind seine Weine diesen entscheidenden Tick brillanter, intensiver, geschliffener. Wir wiederholen uns: Der Mann ist ein Phänomen.

Dieth+Schröder Fotografie Dieth+Schröder Fotografie Dieth+Schröder Fotografie Dieth+Schröder Fotografie

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