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Sehnsucht Deutschland - Film
Als 23-Jährige drehte Romy mit dem berühmten Regisseur Luchino Visconti Boccaccio 70

Romy Schneider - Die tapfere Kaiserin

Manche Legenden sind Märchen, doch die Leben, von denen hier erzählt wird, waren echt. Berühmtheiten und Charaktere, charismatischer und mutiger als andere, sind sie bis heute unverwechselbar und haben ihrer Zeit Stempel aufgedrückt, die uns generationsübergreifend noch immer bewegen. Sie sind deutsche Legenden. Teil 7: Schauspielerin Romy Schneider.

Text: Uta Buhr

Fotos: Edel Germany GmbH/Keystone

Schauspiellegende Romy Schneider

In Frankreich lebte und liebte Romy ein glückliches Leben

In Frankreich lebte und liebte Romy ein glückliches Leben

Als die Schmonzette Wenn der weiße Flieder wieder blüht im Jahr 1953 das bundesdeutsche Publikum begeisterte, war Romy Schneider, die Tochter des berühmten UFA-Traumpaares Magda Schneider und Wolf Albach-Retty, in aller Munde. Ein süßes Mädel, lautete die einhellige Meinung über die 15-Jährige, so frisch und natürlich. Wer hätte gedacht, dass aus diesem knapp 1,60 Meter großen Persönchen einmal ein Weltstar werden würde.

Das Schauspieltalent lag Romy Schneider, geborene Rosemarie Albach-Retty, in den Genen. Bereits ihr Ururgroßvater väterlicherseits hatte sich dem Theater verschrieben. Und ihre Großmutter Rosa Albach-Retty feierte ein langes Leben lang Triumphe am Wiener Burgtheater. An ihrem 100. Geburtstag beglückwünschte Otto von Habsburg sie höchstpersönlich zu ihren Verdiensten um das kulturelle Leben in Österreich.

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Romy, die nach der Scheidung ihrer Eltern den Familiennamen ihrer Mutter annahm und in Bayern aufwuchs, erlangte im Alter von 17 Jahren mit der Sissi-Trilogie Weltruhm. Die Rolle der liebreizenden Kaiserin von Österreich schien ihr auf den zarten Leib geschrieben. Da mochte der Spiegel auch noch so ätzen mit Aufmachern wie „Die Jungfrau von Geiselgasteig“. Ein Stern war am Filmhimmel aufgegangen und die Welt lag der zauberhaften jungen Frau zu Füßen. Was anfänglich von Romy mit den Worten bejubelt wurde: „Ich bin Kaiserin“, wurde ihr mit zunehmender Reife zur Last – ja gar zum Fluch. In ihr schlummerte weit mehr als die überzuckerte Figur der kaiserlichen Hoheit, die in Wirklichkeit der vielleicht unglücklichste Mensch war, der jemals auf der Wiener Hofburg residierte.

20 Jahre später hatte sie Gelegenheit, Elisabeth in Luchino Viscontis Ludwig II. authentisch darzustellen. Biografen haben immer wieder Parallelen zwischen Romy und der wahren „Sissi“ gezogen. Beide schienen sie Glückskinder zu sein, ja Auserwählte, schön, reich und verehrt wie Göttinnen. Wer wäre schon auf die Idee gekommen, dass sich hinter den glänzenden Fassaden Einsamkeit und Verzweiflung verbargen? Der Unterschied: Elisabeth reiste rastlos um den Globus auf der Suche nach Erfüllung, während Romy zu einer der begehrtesten Schauspielerinnen der Welt heranreifte.

Frankreich vereinnahmte sie nach ihren ersten Filmen mit Alain Delon und später mit Legenden wie Michel Piccoli, Jean-Louis Trintignant und Yves Montand. Und auch Hollywood buhlte schon frühum ihre Gunst. Orson Welles, der Titan unter den amerikanischen Schauspielern und Regisseuren, Drehbuchschreiber und Enfant terrible der Filmszene, engagierte Romy Schneider Anfang der Sechzigerjahre für seinen wohl ehrgeizigsten Film – Der Prozess nach der Romanvorlage von Franz Kafka. Sie spielte die Leni neben dem bereits berühmten Anthony Perkins.

Nun folgte ein Film auf den nächsten. Die mittlerweile zur Grande Dame des französischen Films avancierte Romy verkörperte nicht nur hochsensible Frauen, sondern glänzte auch in Komödien. „Romy Schneider – einfach süß“, titelte eine seriöse deutsche Zeitung über ihren Part neben Jack Lemmon in dem amerikanischen Streifen Leih mir deinen Mann. Die Karriere der großen Schauspielerin verlief Hand in Hand mit privaten Glücksmomenten und Enttäuschungen. Ihre große Liebe Alain Delon wandte sich nach einer kurzen stürmischen Beziehung einer anderen zu und ihre spätere Ehe mit dem Schauspieler Harry Meyen scheiterte kläglich. Wer erinnert sich nicht an die Talkshow im deutschen Fernsehen, in der dieser Mann seine berühmte Frau in unangenehmster Weise bevormundete und sich als ihr Mentor aufspielte!

Nach der Geburt ihres Sohnes David plante die Vollblutmimin Romy ihr filmisches Comeback mit dem französischen Thriller Der Swimmingpool, der zu einem grandiosen Erfolg wurde. Inzwischen von Meyen geschieden, heiratete sie ihren weitaus jüngeren Sekretär Daniel Biasini. Aus dieser Verbindung stammt die Tochter Sarah, die bereits in mehreren Filmen auftrat und ihrer Mutter zum Verwechseln ähnelt.

Der tragische Tod ihres Sohnes David in einem Vorort von Paris traf die sensible Romy Schneider bis ins Mark. Freunde berichten, sie habe seinerzeit den Boden unter den Füßen völlig verloren. Sie schluckte Tabletten und begann zu trinken. Ihre bereits angegriffene Gesundheit wurde noch erheblich geschwächt durch die Entfernung einer Niere. Dennoch verpflichtete sie sich zu ihrem letzten Film, Die Spaziergängerin von Sans-Souci, für den sie den französischen César als beste Hauptdarstellerin erhielt. Am 29. Mai 1982 starb Romy Schneider in ihrem Pariser Luxusappartement in der Rue Barbet de Jouy 11 mit 43 Jahren an Herzversagen. Am 23. September 2013 wäre die große Schauspielerin 75 Jahre alt geworden.

Epilog: Rosa Albach-Retty, die Romys Lebensweg mit einer Mischung aus Bewunderung und Besorgnis verfolgte, soll einmal gesagt haben: „Romy kommt mir vor wie eine Kerze, die an beiden Enden brennt.“ Die große Dame der Wiener Burg wurde 105 Jahre alt und starb 1980, nur zwei Jahre vor ihrer berühmten Enkelin.





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