Deutsche Klassiker sind Marken, die noch heute mit Hand und Herz Produkte „Made in Germany“ herstellen, die höchsten Qualitätsanforderungen standhalten und stellvertretend für beste
deutsche Wertarbeit im In- und Ausland stehen. Teil 1: Die Weltrad Manufactur in Schönebeck/Sachsen Anhalt
Der Rolls-Royce unter den Fahrrädern - WELTRAD
Seit 1885 in Schönebeck/Elbe zu Hause - WELTRAD Foto: Weltrad manufactur
Von Fritz Vossiek
„Seelenlos“, viel mehr hat René Leue auf die Frage zu industriell gefertigten Fahrrädern nicht geantwortet. Schnell produziert, meist am Fließband und enorm billig im Vergleich zu einem richtig guten Fahrrad. Doch der Volksmund weiß, und viele aus eigener Erfahrung, dass teuer kauft, wer billig kauft.
Und das ist nicht die Welt von Herrn Leue, der im Jahr 2004 der alten deutschen Fahrradmarke Weltrad neues Leben einhauchte und dessen in Handarbeit gefertigte Räder, allesamt Unikate, jeweils genau 1.620 Euro kosten. Ein Fahrrad aus der WELTRAD manufactur ist dann auch nichts für Menschen, die immer das gerade modernste Design brauchen und aktuellen Trends hinterherhecheln.
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Ein Weltrad hat Seele. Das spürt man. Und einen längeren Radstand als andere Räder. Das sieht man. Und das macht das Fahren darauf so unvergleichbar. „Länge läuft“, sagt Herr Leue.
Wer auf, fast möchte man sagen in einem Weltrad sitzt, gleitet lässig und tiefenentspannt seines Wegs. Das Weltrad ist der „Rolls-Royce“ unter den klassischen Fahrrädern und ein Design-klassiker.
Und es läuft und läuft und läuft. Bei einigermaßen behutsamer Pflege über Generationen. Aber die Geschichte dieses deutschen Klassikers begann nicht vor sechs Jahren, sondern schon im Jahr 1885 mit den Schlossermeistern Carl Hoyer und Walter Glahn, die in Schönebeck an der Elbe südlich von Magdeburg den Grundstein für eine Fahrradfabrik legten, die zu einer der namhaftesten in Deutschland wurde und 1913 schon über 70.000 Welträder auslieferte.
Sogar im Ersten Weltkrieg lief die Produktion zunächst weiter, während unter demselben Dach Granatzünder und Bajonette gebaut werden mussten. Erst zum Ende, als alle Reserven mobilisiert wurden, stellte man den Fahrradbau ein. Notgedrungen. Radfahren wurde verboten und Gummi beschlagnahmt. Und ohne Gummi keine Schläuche, keine Mäntel, keine Räder.
Doch Weltrad kam wieder, baute neue Fabrikationshallen, steigerte die Produktivität und baute neben den legendären Drahteseln fortan auch Kinderwagen. Fahrräder erlebten nach dem Krieg einen Boom, Radfahren wurde Volksvergnügen und eine bezahlbare Möglichkeit, sich frei zu bewegen.
Doch die Wiederholung der Geschichte konnte nicht verhindert werden und nach dem 2.Weltkrieg lag Schönebeck 1949 auf einmal in der DDR. Bis dahin waren 2,5 Millionen Fahrräder und rund 400.000 Kinderwagen hergestellt worden, jetzt gab es keine Zulieferer mehr für dringend benötigte Speichen, Rohre und Reifen. Die saßen alle im Westen und durften nicht. Weltrad ging – vermeintlich – endgültig in die Knie.
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