Nicht erst seit der Ernennung zur Unesco-Biosphäre im Mai 2009 ist die Schwäbische Alb eine einzigartige Erholungsregion. Argrarwissenschaftler, Landwirte und Gastwirte arbeiten eng zusammen
Natur pur im Biosphärenreservat
Schloss Lichtenstein. Copyright Schwaebische Alb Tourismus
Kühle Schluchtwälder, glitzernde Bachläufe, Hochebenen, Hügel und Höhlen, steile Felsen, Streuobstwiesen, Wacholderheiden und Burgen prägen die beeindruckende Kulisse der Schwäbischen Alb, nur 50 Kilometer von Stuttgart entfernt.
Seit Mai 2009 ist ein großer Teil der Region von der UNESCO als Biosphärengebiet anerkannt. Weltweit gibt es nur 553 Modellregionen, in denen „klassischer Umweltschutz mit sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen der im Gebiet lebenden Menschen verknüpft werden“, erklärt der Geologe Achim Nagel.
Schützen durch Nützen ist das Leitmotiv für einen lebendigen Naturschutz, der Ökologie, Ökonomie und Soziales nachhaltig berücksichtigt. Warum die Modellregionen weltweit unter dem Begriff Biosphärenreservat geführt werden und einzig die Schwäbische Alb Biosphärengebiet genannt wird, erklärt Achim Nagel lachend: „Die freiheitsliebenden Schwaben würden das Leben in einem Reservat nicht akzeptieren!“
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Nagel ist Mitarbeiter der Geschäftsstelle Biosphärengebiet Schwäbische Alb, einer Gruppe von Argrarwissenschaftlern, Biologen und Landschaftsplanern, die in Zusammenarbeit mit dem Förderprogramm PLENUM und verschiedenen Naturschutzverbänden die Entwicklung des Gebiets gestalten, Projekte in der Region unterstützen und fördern.
Im Zentrum der AlbBiosphäre liegt der ehemalige Truppenübungsplatz Münsingen, das Herzstück der Biosphäre. Vom deutschen Kaiserreich bis zum Abzug der letzten Soldaten 2005 war die Hochebene militärisches Manövergebiet, blieb von Straßenbau und Besiedelung verschont.
Die einzigartige Hochlandschaft kann heute auf 45 Kilometer Wegstrecke erkundet werden. Weil das Militär neben der reichen Tier- und Pflanzenwelt auch reichlich gefährliche Munitionsreste hinterließ, lassen sich einige Wege nur in Begleitung eines TrÜP-Guides erschließen, die geschulten Biosphärenbotschafter führen kenntnisreich über das Gelände.
Auch Landschaftsführerin Rita Goller zeigt Gästen den Weg und macht auf eine große Attraktion des Hochplateaus aufmerksam – die Ruhe! Nur der Wind pfeift durch die Schusswunden der alten Bäume, hier und da Vogelgesang und ein kräftiges „Mäh!“ aus der nächsten Senke.
Stadtschäfer Stotz ist es mit seiner Schafherde – das Fleisch seiner Lämmer ist als „Stotz Lamm“ eingetragene und prämierte Marke. Gerhard Stotz gehört zu den insgesamt 16 Schäfern, die mit ihrer Herde über die Hochebene ziehen. Er und seine Kollegen beliefern dabei nicht nur die Köche der Gegend mit Albwiesen-Lammfleisch, ganz nebenbei engagieren sich ihre 30.000 Tiere auch in der Landschaftspflege: Sie lüften und lockern mit ihren Hufen beim Gehen den Boden, mampfen gegen die Verbuschung der Grasflächen an.
Frau Goller kennt auch den Weg zum Hursch, dem 42 Meter hohen Aussichtsturm des Schwäbischen Alpenvereins am Rande des Truppenübungsplatzes: „Ich geh da aber nicht rauf!“, verkündet sie resolut. Schnell wird klar, warum Frau Goller am Boden bleibt: Der Turm schwankt flexibel im Wind, die luftige Gitterbauweise macht zudem die Höhe extrem „erfahrbar“.
Der Blick über die Landschaft ist dann allerdings grandios und entschädigt für den Angstschweiß.
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