Der westliche Bereich des Bodensees ist gesegnet mit geschichtlichen und kulturellen Sehenswürdigkeiten von geradezu biblischer Schönheit, schwärmt unser Autor Michael Dominik.
Die mediterrane Perle Deutschlands
Insel Reichenau mit ihrer Kirche St. Peter und Paul; Foto: Internationale Bodensee Tourismus GmbH
Henry, mein Stadtführer, behauptet, er wohne im Paradies. Ein kurzer Blick auf die Karte bestätigt: Er hat Recht. Gleich hinter der Altstadt beginnt ein grüner Wohnbezirk namens Paradies. Doch auch der Rest ist wahrlich nicht zu verachten.
Im 10. Jahrhundert hatte der heilige Konrad Konstanz zu einem zweiten Rom ausbauen lassen. Zahlreiche Kirchen und Klöster zeugen von dem großen sakralen Erbe der ehemaligen Bischofsmetropole. Als von 1414 bis 1418 der größte Kongress des Mittelalters, das Konzil, in Konstanz tagte, galt die Stadt als Mittelpunkt des Abendlandes. Und noch heute ist sie das Zentrum des westlichen Bodensees.
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Wir stehen an diesem sonnigen Vormittag an der Hafenpromenade. Der Blick fällt ganz automatisch auf "Imperia". Imposant wie ein Leuchtturm begrüßt die neun Meter hohe Figur in der Hafeneinfahrt die mit Schiff oder Katamaran anreisenden Besucher. Sie dreht sich im Zeitlupentempo auf einem hohen Sockel um ihre eigene, üppige Achse.
"Zweimal hatte der Stadtrat beschlossen, dass sie wegmuss", erzählt Henry. Doch sie steht noch immer.
Manchem in der sonst so quirligen, weltoffenen Universitätsstadt an der Grenze zur Schweiz ist die Figur wohl zu erotisch, zu provokant. Denn auf ihren Händen trägt sie die karikierten Abbilder eines Kaisers und eines Papstes – eine Anspielung auf die Zeit des Konzils. Während der einzigen Papstwahl auf deutschem Boden hatte die selbstbewusste Edelkurtisane den beiden damals mächtigsten Männern der Welt den Kopf verdreht und sie, den Überlieferungen zufolge, „nach ihrem Pfeifchen tanzen lassen …“
Das alte, um 1388 gebaute Kaufhaus am Hafen, in dem 1417 die Papstwahl abgehalten worden war und das deshalb einfach „Konzil“ genannt wird, steht auf rund 1.000 Pfählen. Es wurde, wie viele weitere imposante Gebäude am Ufer, ins Wasser hineingebaut.
Gelangt man in die Altstadt mit ihren teils schmalen, verwinkelten Gassen, geht es kontinuierlich leicht bergauf. Dabei passieren wir etliche prächtig verzierte Häuser wie etwa das Rathaus. Nicht umsonst gilt Konstanz als die Stadt mit den reichsten Wandmalereien des deutschen Sprachraums.
Dann stehen wir vor dem mächtigen Münster. Wir steigen hinab in die romanische Krypta, wo wir vier vergoldete Kupferscheiben erblicken, die einst den Chorgiebel schmückten. Von herausragender kunsthistorischer Bedeutung ist die Nachbildung des zwölfeckigen, figurenreichen heiligen Grabes im Innern der Mauritius-Rotunde.
Übrigens: Unter dem Münster befinden sich Fundamente eines riesigen römischen Kastells. Die wertvollen Funde können sowohl von oben (durch eine Glaspyramide am Münsterplatz) als auch bei einer Führung unterirdisch besichtigt werden.
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