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Mein Ostdeutschland

Reise durch Mecklenburg / Tag 3 Kölzow - Stolpe - Usedom

Von David [118 Beiträge]   |   11.09.2007 um 15:42:01

Kölzow und die Recknitz liegen hinter uns, fast wehmütig winken wir den Schlossherren von der Lühe zu als wir die große Auffahrt vom Anwesen gen Osten verlassen. Schön ist es hier gewesen, ein herrlicher Auftakt für die Tage, die noch kommen werden.

Unser Ziel für heute ist Usedom und da wir es nicht eilig haben, versuchen wir, den Straßenkarten die kleinsten Zubringer zu entlocken. Das ist bisweilen abenteuerlich, da Mecklenburg-Vorpommern ohnehin nicht als übervölkert bezeichnet werden kann, auf den kleinen Wegen zivilisatorische Zeichen aber rar gesäht sind. Dennoch oder vielleich auch deswegen, führen diese Wege treu zum Ziel.

Und immer wieder ist erstaunlich, dass die ganz kleinen, in Reiseführern nicht erwähnten Ortschaften, mit sehenswerten alten Kirchen aufwarten können, die nicht nur gläubige Christen in Verzückung versetzen.

So z.B. in der Gegend um Dargun, Demmin und Zemmin, wo traumhafte Alleen, harte Kopfsteinpflasterstraßen und immer wieder die große Weite der pommerschen Felder für Kurzweil an Bord sorgen.

Bald erreichen wir Stolpe, kurz vor Anklam gelegen, dem südlichen Tor zur Insel Usedom.
Beschaulich. Und dann ist da der Stolper Fährkrug, direkt an der Personenfähre, die über die Peene nur dann fährt, wenn der Fährmann im Fährkrug lustig und zugegen ist. Bei schönstem Wetter könnte man hier herrlich draussen auf der großzügigen Terrasse versacken, heute ist es eher grau, der Fährmann darf sitzen bleiben. Und schräg gegenüber ist das alte Gutshaus Stolpe, das heute ein luxuriöses Hotel & Restaurant der Relais & Chateaux-Gruppe ist. Eine Zufahrt über gewölbtes Kopfsteinpflaster und eine noch grüne Allee gibt den Blick frei auf dieses wunderbare Anwesen. Ein großer Garten mit altem Baumbestand und neuen, aber eleganten Holzmöbeln führt direkt an das Ufer der Peene, wo der gute Schwimmer bedenkenlos eintaucht, der ungeübte doch eher zum Ruderboot greifen sollte, da er sonst Gefahr schwimmt, erst in der Ostsee von der Strömung wieder freigegeben zu werden.

Leider ist es noch zu früh, um die Usedom-Planung über den Haufen zu werfen und wir fahren weiter über Anklam auf die Insel.

Wir halten uns immer ganz rechts, dort sind die Wege nur noch für den selbstbewußten Entdecker zu finden und unseren Wagemut bezahlen wir mit dem Aufsetzen unseres Wagens in diverse Schlaglöcher. Bei einem Tempo zwischen 6 und 12 km/h, wohlgemerkt.

Usedom, so lange im Dornröschenschlaf, hat schier endlose Strände, die sich mit den schönsten der Welt problemlos messen können. Wir lassen das Achterwasser im Inselinneren links liegen und nähern uns der Küste über Bansin, das westlichste der drei Kaiserbäder. Kaiser Wilhelm der Zweite hatte es sich hier, in Heringsdorf und Ahlbeck regelmäßig gutgehen lassen und seine Sommerfrische genossen.

Die Saison ist eigentlich schon fast vorbei, aber eben auch nur eigentlich und das auch nur fast. So sind wir dann ganz froh, dass wir im alt-ehrwürdigen Ahlbecker Hof noch ein Zimmer mit Blick auf die Ostsee bekommen.

Obwohl die Menschen sich dick vermummelt in ihren Regenklamotten gegen den Wind stemmen, mache ich noch einen kleinen Dauerlauf am Strand gen Osten.

Nach knapp 3 km geht es nicht weiter. Ein Zaun versperrt den Strand. Unlustige Schilder weisen auf die Landesgrenze hin, da vorne beginnt Polen, kurz dahinter Swinemünde. Etwas beklemmend, Grenzen kennt man heute doch kaum noch. Ich grüße einen Jogger auf polnischer Seite und beruhige mich damit, dass sowohl er als auch ich über den einzigen Grenzübergang auf der Insel jederzeit beliebig oft hin und her wechseln können.

Von Usedeom kann man mit dem Auto nicht nach Polen. Noch nicht. Ob sich das ändern wird, steht noch in den Sternen. Fußgängern und Radfahrern steht die Grenze aber jederzeit offen.

Abends schaukelt der HSV, endlich mit van der Vaart, sich zu einem 4 – 0 gegen Budapest und erreicht den UEFA-Pokal. Für leidgeprüfte Hamburger ein schöner Abend.

Und als der Springbrunnen auf der Strandpromenade gegen 23 h aufhört zu springen, schlafen wir zum müden Rauschen der Ostsee tief ein.

Morgen mehr zum Ausflug nach Polen,
beste Grüße, David


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