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Mein Hamburg

Blankeneser Heldenlauf in Hamburg

Von David [118 Beiträge]   |   27.08.2007 um 19:28:58

Vor Monaten schon hatte ich mich angemeldet zum Heldenlauf, dem kleinen, aber aufgrund seiner Streckenführung ganz besonderem Halbmarathon in und um Blankenese.

Gestern war der Tag der Wahrheit. Dieser Halbmarathon, man kann übrigens auch nur 11km oder die Ohne-Sorge-Runde über 6km laufen, ist ungefähr das genaue Gegenteil von topfeben. Legenden ranken sich um die Anzahl der Steigungen und sogar passionierte und erfahrene Marathoni sind schon an den unzähligen Treppen in der Falkenschlucht weinend gescheitert.

Am Vorabend war ich noch auf einem Barbecue und habe alle Vorsichtsmaßnahmen in den Wind geschlagen, frisch gezapftes Bier und köstlich gegrillte Rinderfilets ließen mich nicht vor 2 h morgens ins Bett fallen. Fleisch, im Gegensatz zu Nudeln, soll ja nicht besonders schnell machen. Egal, dachte ich, ohne ambitionierte Zielzeit darf ich diese Fleischorgie nicht ungenutzt vorbeigehen lassen. Andere Gäste, die auch am nächsten Tag gelaufen sind, blieben bei Wasser und lange ohnehin nicht, waren am Renntag dann allerdings auch um einen schönen Abend ärmer und deutlich früher im Ziel.

Start und Ziel ist auf dem Lornsenplatz, früher hieß der nur profan Marktplatz, direkt im Dreieck Blankeneser Kirche, Eiscafe und tagesbar.

Nachdem trockene Klamotten in dafür vorgesehenen Zelten deponiert worden sind, wandert man – ein bißchen angespannt, aber eigentlich locker – gen Elbe, wo am Mühlenberger Weg, Höhe Mühlenberger Segelclub, die Startzone ist.

21 km liegen vor mir, während ich noch denke, wann ich das dass letzte Mal am Stück gelaufen bin, schiebt die Masse bereits über die Startlinie dem fernen Ziel entgegen.

Die erste Hälfte ist noch relativ harmlos, über den Elbuferweg geht es Richtung Nienstedten, Wesselhöft- und Westerpark, Cafe Knips, Seegerichtshof, Elbchaussee bis Hirschpark. Dann Baurspark mit ersten kürzeren Treppenanstiegen, im Feld ist man noch munter. Hoch oben ist der Blick auf die Elbe frei, ein ganz großer Containerfrachter nähert sich vor Schweinesand dem Hamburger Hafen. Rocky Balboa – Feeling. Mein Bruder meint, den Film hätten sie mal lieber in Hamburg statt in Philadelphia drehen sollen, zumal wir auch einen Schlachthof haben, wo man mit Rinderhälften den Bizeps trainieren kann. Mein Bruder redet übrigens fast die ganze Zeit, über sein Frühstück, über den HSV, über Weicheier, über Bier im Anschluß usw. usf. Erst als er sich Witze während der Steigungen verbietet, ahnen wir, dass es auch für ihn jetzt langsam anstregend wird.

Es geht runter, Richtung Strandweg. Zuschauer gibt es kaum, als Hasen verkleidete Läufer überholen, trinken zwischendurch ein Bier, werden wieder überholt und kommen von hinten erneut vorbei. Großes hallo bei allen unter 10 Jahren.

Wie laufen inzwischen wieder an der Elbe, am Leuchtturm von Blankenese vorbei, jetzt kommen die ersten Monstertreppen, viele gehen, einige laufen, alle schnaufen.

KM 17, mir dünkt, dass nur Kaffee, ein Brötchen und eine gute Morgen Zigarette eventuell zu wenig für diese Steigungen gewesen sind. Jetzt Zähne zusammenbeissen. Einen Läufer, der geht, ermuntere ich, wieder zu laufen, er dankt und läßt mich stehen. Wieder einen Platz weiter nach hinten durchgereicht worden. Selbstverschuldet. Am nächsten schleiche ich dann meine Motivationskünste verbergend vorbei.

Jetzt höre ich die Moderatoren, hoffentlich nicht nur, weil der Wind aus Osten kommt und ihre Stimmen kilometerweit trägt. Das Ziel kommt näher, ich kann es jetzt sehen, die Straße hat endlich ein Einsehen und wird abschüssig bevor ich ausfallend werde. Ziel erreicht. K.O. Zum Glück bin ich kein Profisportler, ich könnte mich jetzt der Journalistenmeute nicht mal durch körperliche Abwehr erwehren. Ausruhen, ein bißchen stolz sein, erholen, dann bei netter Musik ein paar Bier wider die Dehydration und Unschlüssigkeit, ob das nochmal gemacht werden muss.

Fazit: hier ist die herrliche Strecke der Star, dafür ist es auch nicht so teuer und so familiär, dass es für ausgedurstete, nach eigener Belohnung strebende Läufer, sage und schreibe einen einzigen Bierzapfhahn gibt.

Und außerdem bekomme ich eine Urkunde, die meine Leistung als heldenhaft einstuft. Danke, danke, so fühle ich mich auch.


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