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Alstereisvergnügen - Erinnerungen an 1996

Von David [118 Beiträge]   |   27.01.2010 um 13:16:28

Heute, 27. Januar 2010, hat die Behörde für Umwelt zum Entsetzen aller Hamburger und ihrer Freunde aus dem In- und Ausland das Alstereisvergnügen – zumindest für das kommende Wochenende – nicht genehmigt. Trotzdem tummeln sich inzwischen täglich und zu jeder Tages- und Nachtzeit Tausende auf der Alster. Nun ja, vielleicht bleibt es kalt und es klappt am nächsten Wochenende.

Solange könnt ihr euch an den Erinnerungen des Glühweinmoguls von 1996 erwärmen, die heute im Hamburger Abendblatt veröffentlicht wurden.
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Als das erste Mal nach sehr langer Zeit der Eisfreiheit 1996 die Alster wieder zufror und das bevorstehende Wochenende zum offiziellen Alstereisvergnügen ausgerufen worden war, kam ich morgens gegen 7h vor der Umweltbehörde an, um mir eine Genehmigung für den Ausschank zu besorgen. Student, der ich war, dachte ich, es sei früh, doch die Schlange der auf eine der begehrten Lizenzen hoffenden war schon über 150m lang. Ich ging um das Haus, kam von der anderen Seite, verwickelte wortgewandt den an Nummer 4 positionierten in ein kurzes Gespräch und blieb stehen. Die Tür ging auf, wir bekamen unsere Lizenzen, alle anderen später auch und ich war am nächsten Tag als vorne in der Schlange stehender auf dem Titel des Hamburger Abendblattes zu sehen.

Ich lieh mir Geld, kaufte 300 Liter Glühwein, ergänzte um Nelken, Zimtstangen, Zucker, Orangen und einige Flaschen von Vaters Rotem aus dem Keller – er hat es nie erfahren -, Gaskocher, Mutterns silberne Schöpfkelle und den alten Gartentisch aus Makassar.

Ob des rollenden Rubels war Freund Steve gleich bei der Sache, Freitag ging es los, unser Stand war zwischen Alte Rabenstraße und Milchstraße, dort wo das Alstervorland am tiefsten ist und die Anfahrt unmöglich. Wie tibetanische Lastmulis schleppten wir Equipment und Glühwein zum Stand, bauten auf, setzen einen Stoffpinguin mit dem selbst gemalten Aufspruch "Mmmmh, lecker" auf einen Kleiderständer – Werbung – und begannen.

Nachdem der erste Gaskocher fast durchs Eis geschmolzen wäre, wurden flache Umzugskartons zur Unterlage, wir hatten uns weit ausgebreitet, der behördlichen Kontrolle fröhlich geantwortet, dass die Genehmigung sich nur auf die Verkaufsfläche beziehen würde, das wäre der Tisch, der hätte genau 1qm und väterlich-großmütig lächelnd zogen die Kontrolleure ab.

Glühwein kostete 3 Mark, mit Schuß 5. Dafür hatten wir aber den guten Hansen-Rum, was insbesondere von den älteren Gästen lautstark gelobt wurde. Freitag war gut, Samstag war super, Sonntag sensationell. Die Schlangen am Stand waren bis zu 30 Meter lang, Steve schenkte ein, ich kassierte bis ans Ende der Schlange ab, danach wurde frisch aufgeschenkt, eine Flasche von Vaters Wein hinein, Zimtstangen zerbrochen, Apfelsinen großzügig zerschnitten und dann und wann ein ordentlicher Schuß Zucker aus der freien Hand hinein, dampfend, köstlich riechend verrührt, alles mit der Gestik eines vornehmen Fischverkäufers. Ein erster Crashkurs in Logistik, Kundenfreundlichkeit, wir waren äußerst beliebt, wurden ohne unser Wissen am Montag auf Platz 2 unter allen Ständen auf der Alster in der Bildzeitung geehrt, mit ph-Wert, Abdampfwert etc., Note 2, kurz hinter Bobby Reich, aber vor allen anderen.

Abends zählten wir unsere Penunzen, tranken zwei, drei Bier und gingen früh zu Bett, wir waren ja Unternehmer, jedenfalls für drei Tage, die lang und sehr hart waren, keine Zigarette zwischendurch, nichts zu essen, kein Schnack außer mit dem vor dem Tisch stehenden Stammkunden, Klogänge geschäftsschädigend, Dauereinsatz, Geld immer am Mann, lieber fallen wir mit Geld in die Alster als dass unsere Kasse geklaut wird, wie an Nachbarständen geschehen.

Nie wieder hat mir ein Job soviel Spaß gemacht, wir sprachen von Glühweintürmen an der Alster, oben drauf ein sich drehender Pinguin und wir als Glühweinbarone von Hamburg.

Nun, es kam anders, dennoch mussten wir in dem Semester nicht mehr arbeiten.


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