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Mein Berlin

Skoda Velothon Berlin - ich habe eine Medaille

Von David [118 Beiträge]   |   26.05.2008 um 10:12:39

Nachdem ich eine Einladung bekommen hatte, in Berlin Rennrad zu fahren, musste ich erst mein Rennrad suchen, hatte es doch seit den Cyclassics in Hamburg vor knapp zwei Jahren keine besondere Aufmerksamkeit mehr erfahren. Im Keller hing das schöne Teil, schlappe Reifen, etwas eingestaubt und ohne den einen reibungslosen Ablauf garantierenden Anteil an frischem Kettenöl.

Der Skoda Velothon Berlin, ein Radrennen für Hobbyfahrer, das schon bei seiner Premiere am gestrigen Sonntag mit dem Anspruch gestartet ist, dass größte Rennen seiner Art auf der ganzen Welt zu werden, war der richtige Anlaß, das Rad wieder auf Vordermann zu bringen.

Im Rahmenprogramm des Velothons standen viele Aussteller aus der Fahrradszene, Sponsoren, Medienpartner und bikeline, ein Radladen aus Berlin, der für den sog. Technischen Support zuständig war. In meinem Fall wechselten die bestens gelaunten Mechaniker um den gelbbeschuhten Rene - Supertyp - Mäntel und Schläuche meines Rades, stellten die Schaltung wieder ein und verpassten mir ein neues Lenkerband. Und hoben nicht einmal dann die Augenbrauen als ich - inzwischen Vertrauen in ihre Fähigkeiten gefasst habend - gestand, dass sie die ersten Männer mit Ahnung waren, die seit dem Erwerb des Rades vor knapp 8 Jahren, an meinen Rad rumschrauben durften. Das alles dauerte rund 45 Minuten, kostete mich nur das Material und gab mir zumindest technisch ein gutes Gefühl. Jetzt mussten nur die Beine halten.

Man konnte wählen zwischen einer 60 km und einer 105 km langen Strecke, ich entschied mich für die kürzere, hatten meine Beine doch genauso wenig Vorbereitung wie mein Rad.

Veranstalter sind die Jungs und Mädels von Upsolut aus Hamburg, die seit rund einem Jahrzehnt als das Nonplusultra der Sportorganisation gelten, Megaevents wie das Radrennen Cyclassics und der Hamburg City Man Triathlon gehen auf deren Initiative und Organisation zurück.

Jetzt also Berlin. 10.000 Teilnehmer haben für die Erstlingsveranstaltung gemeldet, sie alle wollen auf der Straße des 17. Juni starten, durchs Brandenburger Tor rollen und dann eine Strecke erleben, die nahezu an sämtlichen Sehenswürdigkeiten Berlins vorbeiführt.

Sogar in der Hauptstadt ist am Sonntag um 7.30 h wenig los, anders gestern, der Bereich um das Brandenburger Tor, Unter den Linden und den Reichstag ist voll mit Rennradfahrern, die sich in ihren Startblöcken rechtzeitig für den gegen 9 h erfolgenden Start in Position bringen. Freundlich beschienen von der Berliner Morgensonne, die langsam hinter dem Brandenburger Tor hochkommt, perfekte Bedingungen bei rund 22 Grad sind vorhergesagt.

Ketten surren, Trinkflaschen werden gefüllt, nervös in den Tiergarten gepinkelt, Bananen gestopft und Energieriegel auf die Rahmen geklebt, um sie im Rennen leichter futtern zu können. Es riecht nach Latschenkiefer, die rasierten Beine sind fein definiert und versprechen viele Trainingskilometer, behaarte Beine zeichen eher den echten Hobbyfahrer aus. Mich z.B.

Die Aufregung, Vorfreude und Grundnervosität entlädt sich pünktlich im Startschuss, das Feld, das in der Startaufstellung vom Brandenburger Tor bis zur Siegessäule alias Goldelse reicht, gerät langsam in Bewegung.

Über mir die Quadriga, rechts das Adlon, vor mir Unter den Linden, die Straßen sind auf der ganzen Strecke perfekt gesperrt, überall sichern Polizei und rund 1.200 Streckenposten das riesige Peloton. Kaum eine Maus würde es über die Straße schaffen, auf Gefahrstellen wird von äußert motivierten Helfern in gelben Warnwesten, gelben Flaggen und Trillerpfeifen bestens hingewiesen. Das rote Rathaus, die Gedächtniskirche fliegen vorbei, der Kudamm ist leer, alles frei für uns Radfahrer. Und zwar von 9h - 14 h.

Alleine der Startvorgang dauert bei dieser Teilnehmerzahl fast eine Stunde, da kommen die Schnellsten der 60 km - Runde schon fast wieder ins Ziel.

Ich bin aus Startblock C gestartet, Freund Steve mit geliehenem Rennrad zunächst an meiner Seite, später verlieren wir uns auf den vollen Straßen und kommen wieder an einem Schultheiss-Stand vis-a-vis des Brandenburger Tores zusammen, zufrieden, glücklich, mal wieder ein tolles Sporterlebnis gehabt zu haben, die Zeiten sind i.O., 60 schnelle Kilometer - bei gewisser Grundfitness - spüren wir doch in den Beinen, die sich jetzt nicht mehr ganz so spritzig anfühlen wie - sagen wir wohl besser - vor 10 Jahren.

1000e Zuschauer haben uns auf der Strecke angefeuert, beklatscht, Schlagzeug an der Straße gespielt. Es gab nur sehr wenige Stürze, was bei solchen Rennen nicht die Regel ist. Die letzten zwei Kilometer sind kerzengerade auf der Straße des 17. Juni, die Siegessäule wird umkurvt, der Zielbogen rauscht näher. Ziellinie überquert, Beine hoch, genießen, freuen, ausrollen Richtung Brandenburger Tor, wir werden vor dem Tor abgeleitet Richtung Reichstag, freundliche Helfer helfen uns beim Abknipsen der Kabelbinder, die unsere Zeitmesstransponder hielten, wir bekommen eine fette Medaille und freundliche Worte.

Die Organisation ist perfekt, von der Abholung der Startunterlagen bis zur Vergabe der Medaille hat alles bestens, routiniert und sicher, geklappt. Die Upsolut-Veranstaltungen sind hier wirklich das Maß aller Dinge, zwischen 50 - 60 Euro kostet ein Startplatz, dafür erhält man freie Straßen, eine vorbildliche medizinische Versorgung für den Ernstfall und ein Event, das man so mit normalem Sport - in diesem Falle Radfahren - niemals erleben würde.

Als Teilnehmer der Premiere glaube ich, dass das Ziel, die größte Rennradsportveranstaltung der Welt auf die Beine zu stellen, “upsolut” nicht vermessen ist. Ich schätze, dass schon im nächsten Jahr rund 15 - 20.000 Teilnehmer die Reise in unsere Hauptstadt antreten, um Nachtleben (Freitag), Kultur ( Samstag) und Sportevent am Sonntag im Rahmen eines Wochenendausfluges bestens verbinden werden.

Unter diesen Voraussetzungen werde ich in jedem Falle wieder dabei sein.


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