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Mein Schleswig-Holstein

Sehnsucht Ostholstein - Ole Liese auf Panker

Von David [118 Beiträge]   |   15.02.2008 um 18:34:49

Wiederkehren an schöne Orte ist eine der angenehmen Begleiterscheinungen, wenn man – wie ich – sich einer Unternehmung verschrieben hat, die sich Sehnsucht Deutschland nennt.

Nur einem selber unbekannte Orte und Geheimtipps erstmals zu entdecken ist genauso schön, aber noch spannender.

Schleswig-Holstein, meerumschlungen, war in den Fokus der Wochenendplanung gerückt. Aber wohin fahren, wenn das Wasser 10 Grad hat, es früh dunkel wird und die wenigen Februarstunden, die dem Tageslicht zugerechnet werden, von Regen und der Farbe grau dominiert werden?

Gemütlich sollte es sein, rustikal gerne. Ein "büschen" nett wäre auch ganz schön, Kinder und Hunde müssen willkommen sein, Wellness ist unwichtig, ist Wellness für mich doch eher mit Toben an der frischen Luft verbunden.

Als ich schon anfange, zu denken, ich sei im Alter von 39 Jahren schon zu krüsch um mich in die Obhut eines Hoteliers auf dem Lande zu begeben, spielt das Schicksal mir die Adresse der Ole Liese zu.

Ole Liese, Ostholstein, ist ein Restaurant und Hotel, das eingegliedert ist auf dem Anwesen des Gut Panker zwischen Lütjen- und Oldenburg/Holstein.

Das historische Backsteinhaus, heute mit liebevollem Anspruch von dem jungen Ehepaar Domnick geführt, ist, was wir uns vorgestellt haben. Warm, einladend, einer schweren Eichentür folgt eine leichte Schwingtür und man ist im rustikal befliesten Schankraum, der zur rechten einen offenen Tresen hat, großzügige Holztische und eine Batterie feiner Obstbrände aus dem Hause Ziegler. Das Restaurant geht zur linken ab, dazwischen liegt die Treppe, die zu einigen der schönen Zimmer führt.

Früher angereiste Gäste essen Kuchen, die bestimmt köstlich sind, es bleiben überall kaum Krümel über, trinken gepflegt Tee und scheinen mit der Entspannung schon weiter vorangeschritten sein. Vermutlich haben sie vorher einen Spaziergang über das Gut Panker gemacht, sich an riesigen Pferdekoppeln des Trakehnergestüts erfreut und – wenn sie verheiratet sind – mit melancholischen Blick auf die erhabene alte Gutskirche geschaut.

Wenn sie schlau waren, sind sie sogar noch weiter gegangen. Direkt hinter dem Gut zeigt sich Ostholstein wellig und weitläufig von seiner schönsten Seite. Weit und breit keine Windräder, keine Hochspannungsmasten, keine Campingplätze, die sonst oft gerade dann unvermittelt auftauchen, wenn man denkt, wie schön, dass es hier noch kein Camping gibt.
Knapp 10 km entfernt sieht man die Ostsee.

Es ist einer dieser Momente, wo man sich unweigerlich die Hände reibt, weil man weiß, dass die Entscheidung hierhin zu fahren, eine gute war.

Da kommt mit weit ausgestreckter Hand auch schon die Begrüßung auf uns zu, heißt uns herzlich willkommen, freut sich, uns mitzuteilen, dass wir das schönste Zimmer und einen prima Tisch im Restaurant für 19 h haben.

Die blonde Bedienung ist so nett und aufmerksam, dass nicht nur ich mich freue, wenn sie möglichst oft an unseren Tisch kommt.
Die sternenlose Küche ist immerhin ambitioniert, es gibt Dinge vorweg wie Kalbsschwanzessenz mit Ravioli und Gemüsen oder gratinierte Hirschmedaillons als Hauptgang mit Feigenrotkraut und Petersilienspätzle. Alles liest sich sehr schön, doch ist uns eher nach bürgerlicher Küche zumute. Und dafür gibt es hier eine zweite, kleine Karte mit Rumpsteak, Eintopf, Sülze und noch ein zwei leckeren Angeboten, die wir übersehen hatten.

Einige leicht zu trinkende Weine, u.a. Prinz von Hessen, ein exzellent gezapftes KöPi und eine gereifte Zwetschge später, träumen wir in absoluter Ruhe bei weit geöffneten Fenstern von einem zweiten Leben als Gutsbesitzer.

Berauscht von der holsteinischen Nachtluft, mache ich einen 8 km Morgenlauf, der mich über Kembs und Matzwitz durch die herrliche Gegend führt. Man o man ist Ostholstein schön.

Wir frühstücken ausgiebig und schön, es gibt hier nicht eine Auswahl von 25 Müslis, 15 Käse- und Wurstsorten usw., sondern ein paar frische Brötchen, echte Butter, frische Eier (gestern noch die Hühner vor unserem Hund gerettet), einen starken Kaffee und einen frisch gepressten O-Saft. Dazu eine noch ungelesene Sonntagszeitung und lachende, nutellaverschmierte Kinder.
Meine Frau und ich nicken uns konspirativ zu (hier fahren wir nochmal alleine hin) und beim Check-Out bezahlen wir für den ganzen Spaß inkl. Frühstück 150,00 Euro exklusive Abendessen.

Da scheint dann auch schon wieder die Sonne durch die noch unbelaubten Kastanien- und Eichenbäume.

Mit Ole Liese haben wir eine dieser Sehnsucht Deutschland-Adressen gefunden, die ich fest in mein Portfolio bedenkenlos anzulaufender Plätze aufgenommen habe.

Mit besten Grüßen, DP


Kommentare

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  1. ein wunderbarer Tipp – vor allem auch im Frühling mit den gelben Rapsfeldern…

    Torsten Biege       26 May 2008, 13:09




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