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Mein Bayern

Dome, Berge, Beverly - Freising für Anfänger!

Von Susanne [5 Beiträge]   |   21.01.2008 um 13:14:46

Es ist Sonntag.
Endlich ausgeschlafen, den Morgenkaffee zu den neuen Krimis im Bett genießend, stellten wir wider Erwarten heftiges Aufreißen der Wolkendecke fest. Dies sollte kein Tag zum Liegenbleiben werden, weshalb dbaE (der beste aller Ehemänner, vilmoskörte, damit Du nicht nachfragen musst) mich sanft aus dem Bett Richtung Dusche schubste und die Drängeltaste aktivierte.

Währenddessen erblaute draußen der Himmel immer mehr zu bajuwarisch-blauweiß.
Gestiefelt und gespornt traten wir bald darauf aus dem Haus in die gleißende Sonne, wo Beverly schon wartete und uns anfunkelte, da ihr wohlgeformtes Hinterteil unter dem Fahrradschuppendach kess hervorlugte, was ihre Chromteile verführerisch glitzern ließ.

Helme auf, Sonnenbrillen durchgeschoben, und dann der amüsierten Nachbarschaft die Show gönnen, wenn ich in wegen langer Unterhosen etwas engeren Jeans meine ungelenken Stelzen über die höhergelegte Soziusbank unseres charmanten silberfarbenen Freiluftgefährts der Gattung Motorroller zu wuchten versuche. Sie lieben es. Jedes Mal.

Beverly freute sich, endlich wieder einmal Asphalt unter den Reifen zu spüren, und so trotzte sie wilden Böen garstigen Seitenwindes auf der Bundesstraße von hier aus in Richtung Freising, mit bis zu 110 Stundenkilometern. So ist sie, die Beverly � ein charmantes, freiheitsliebendes Gemütsgeschoss.
Jemand hatte uns das bairische Städtchen Freising nämlich als Ausflugsziel ans Herz gelegt, und wir wollten nun überprüfen, ob derjenige uns auch nicht angeschwindelt hatte.

Nach einer guten halben Stunde hatten wir unser Ziel erreicht, und nun hatten die Freisinger Passanten auf dem Parkplatz Freising-Altstadt das Vergnügen. Sie durften grinsend zuschauen, wie ich meine unegalen Knochen von dem Gefährt wieder herunter brachte, bei der Landung ein wenig strauchelnd. Ha – wenn die wüssten! An weniger vorfrühlingshaften Tagen pflege ich nämlich eine hellblaue Vliesdecke über meine Knie zu breiten, damit ich am Ende der Fahrt überhaupt eine Chance habe, ohne ernste Verletzung vom Gefährt herunter zu klettern: Das ist erst ein Anblick!
Für kalte Knie bin ich einfach zu cool!

Ganz schnell bemerkten wir, dass der freundliche Freising-Empfehler nicht zuviel versprochen hatte. Im Gegenteil. Freising ist eine sehr, sehr alte Stadt � dagegen ist München ein Städteküken. Und entsprechend viele imposante, aber auch putzige alte Gemäuer in meist bemerkenswert gutem Erhaltungszustand zieren dies Fleckchen Erde. Verbunden sind sie durch Straßen und Sträßchen, Gassen und Gässchen von labyrinthhafter Unüberschaubarkeit, die einen guten Orientierungssinn unerlässlich machen. Und eine Gasse ist schöner als die andere.

Wir nahmen Kurs auf die Untere Gasse, dann wandten wir uns Richtung Obere Gasse, dann zum Domberg, wo auch das Fürstbischöfliche Residenzschloss fürstlich prunkt. Wer Tipps zum Kluggeschissen-bekommen haben will, der schlage bei Wikipedia �Otto von Freising� nach � ein großer Bischof und Onkel von Barbarossa.
Dahinter kommt man zu einer Aussichtplattform, die uns tatsächlich ein wenig platt zu formen verstand:

Welch eine Aussicht!
Vom immer noch wie poliert weißblau strahlenden Himmel überspannt, lag unter unseren Füßen Freising, dann ein Streifen Landschaft, dahinter die – schlecht geschätzt – ca. 30 Kilometer entfernte Skyline von München neben unseren heimatlich-vertrauten Unterföhringer Heizkraftwerkstürmen, allesamt aufgereiht vor der gezackten Horizontlinie der Alpen, die in winterliches Weiß gehüllt, vor dem Himmel prangten.

�Würdest Du mich jetzt kneifen, müsste ich dir eine schallern � aus diesem Traum will ich nicht erwachen, wenn es einer ist!�, wandte ich mich an dbaE, woraufhin neben mir ein fremder Herr fast über das Geländer der Plattform gegangen wäre. Vor Lachen.

Endlich satt gesehen und dann doch ein wenig fröstelnd vom Wind, gedachten wir uns im Freisinger Dom St. Maria ein wenig aufzuwärmen und gingen hinüber zu dem imposanten Gemäuer. Dieses ist ein Neubau. Im 12. Jahrhundert war es jedenfalls einer. Er wurde auf den Grundmauern der ersten Version von Marienkirche errichtet, die ihren Ursprung Anfang des 8. (!) Jahrhunderts hatte.
Anfang des 18. Jahrhunderts hatte der Dom schon einiges hinter sich, die Barockisierung durch die Asam-Brüder aber noch vor sich, die in den 20er Jahren desselben Jahrhunderts erfolgen sollte. Wer je in München war, und die dortige kleine Privatkirche der bauenden Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin von innen gesehen hat, erkennt gleich beim Eintreten in den Mariendom deren charakteristische Handschrift, das einzige passende Wort, das mir in den Sinn kam, war: Grandios! Wer mehr Worte braucht, findet sie bei Wikipedia unter �Freisinger Dom�, veranschaulichende Bilder gibt es dort ebenfalls. Auch in der Krypta waren wir natürlich, um zu schauen, wer dort die letzte Ruhe fand � unter anderem der Heilige Nonnosus, der 570 starb, was lange her ist, und der Heilige Korbinian. Die Schilder mit den Erklärungen zu lesen war nicht leicht, da es dort sehr duster ist. Und ein wenig nach Leiche riecht es dort auch – die bis zu fast 1500 Jahre alten Heiligen und Wichtigen haben doch tatsächlich bis heute nicht ausgestunken � da kann man mal sehen!

Nach der Dombesichtigung schlenderten wir noch fassadenbewundernd zwei Stündchen durch die wunderschöne Altstadt. Im Café Luitpold nahmen wir ein Haferl Kaffee und freuten uns, nicht obendrein etwas zu essen bestellt zu haben, denn wenn das auch nur halb so schlimm gewesen wäre wie der Kaffee…Igitt!
Hier beschlossen wir aber auch, dort im Frühling ein �Freisinger Wochenende� zu verbringen. Isar-Entzug bekommen wir dort nicht, denn sie fließt durch die Stadt.

Beverly aber hatte das Sonnenbad auf dem Parkplatz genossen, und freute sich, als wir zurückkehrten, um eine weitere Freisinger Passantengruppe mit der Soziuskletternummer zu beglücken. Sie brachte uns brausend im von der nun anderen Seite wehenden Wind zurück nach Hause.

Hier gab es dann auch einen gescheiten Kaffee.

Ich empfehle weiterhin: www.freising.de


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