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Mein Bayern

Feringasee - ein Wintermärchen!

Von Susanne [5 Beiträge]   |   03.01.2008 um 14:54:57

Einer der speziell bei Münchnern beliebtesten Badeseen ist der nordöstlich von München liegende Feringasee, der zur Gemeinde Unterföhring gehört. Zum Leidwesen der Einheimischen wird er von Zugereisten oft falsch ausgesprochen: Es heißt nämlich nicht �Fering-Ga-see�, sondern spricht sich eher wie Fee-Ringer-See. Gut, Feen und Ringer haben eher wenig gemein, aber wenn\'s denn der Aussprache dient…

Der Feringasee entstand Mitte der 70er Jahre des verflossenen Jahrhunderts, als man für die benachbarte Autobahn große Mengen Kies brauchte, und hat sich schnell zu einem beliebten Ziel für Badefreunde, Beach-Volleyballer, Surfer und � durch die extra hierfür vorgesehene Halblinsel � FKK-Freunde, bzw. �Nackerte�, wie der Bayer treffend sagt, entwickelt.

Im Sommer kann der Ausflügler schon einmal zwei Stunden im Stau stehen, um endlich einen Platz auf einer der Liegewiesen am 21 ha messenden Ufer zu finden, und wer in Radl-Nähe zum See wohnt, der ist gut bedient, sich in die Radlerschar einzureihen, die am Wochenende auf der Landstraße von München her zum Baden strömt.
Die behindertengerechte Anlage und die Biergärten tun das ihre, um die Beliebtheit des Feringasees zu unterstützen.

Ja, aber wem hilft diese Information jetzt, gerade kurz nach Silvester im tiefsten Frost? Na, Nichtschwimmern wie mir, natürlich!
Denn wenn es lange genug kalt genug ist, friert der Feringasee natürlich zu. Für den Spaziergänger ein traumhafter Anblick, wenn die Sonne scheint, die idyllischen Ufer die mit dickem Reif bedeckte, weitläufige Eisfläche säumen, überspannt vom Himmel in bayrisch-weißblau.

Am Ufer findet man natürlich eine große Anzahl Schilder, die den Aufenthalt auf der Eisfläche verbieten: Die braucht der Bayer, um sich beim Schlittschuhlaufen und anderen Aktivitäten auf dem Eis so richtig wohl zu fühlen � dann macht es einfach mehr Spaß!

Also setzt man sich aufs Fahrrad, radelt zum See und zieht sich die Schlittschuhe an, auch wenn man wie ich eine Zugereiste ist. Wer � wie ich � das Glück hat, in der Nähe zu wohnen, hat mit dem Weg ja keine große Mühe, die sich aber obendrein lohnt.
Das reifbedeckte Eis ist für weniger Geübte günstig, da es nicht allzu schnell ist und ein wenig Griff bleibt, der die Sturzgefahr mindert, wenn man im Sonnenschein über die große Fläche gleitet. Das ist etwas anderes, als auf einer überfüllten Eisfläche in einer Eissportanlage ständig Rempeleien fürchten zu müssen und obendrein ein kostenloses Vergnügen.

Ich habe den heutigen Vormittag auf dem See verbracht und auf der ganzen riesigen Fläche waren vielleicht fünfzig Menschen unterwegs. Mitten auf dem See im Sonnenschein stehend, konnte ich nicht widerstehen, mein Mobiltelefon aus der Tasche zu ziehen, um meine Freundin in der alten Heimat anzurufen: �Stell Dir vor, ich bin gerade dort, wo ich dank meines Nichtschwimmerstatus im Sommer niemals hinkäme: Mitten auf dem Feringasee!�
Man kommt hier übrigens schnell ins Gespräch � dass der Bayer als solcher zum Fremdeln neigt, ist ein hartnäckiges Gerücht, an dem nicht viel dran ist.
So erfuhr ich von einem älteren Ehepaar, das den Enkel über das Eis begleitete, dass es �Spiegeleis� heißt, wenn kein Reif darauf ist. Wohl wegen der Ähnlichkeit mit der glatten Fläche eines Spiegeleis, dessen Dotter makellos glänzt, aber das ist die reine Vermutung eines von Hause aus nicht allzu naturverbundenen Westfalenkindes.
Eine ganz schön jung gebliebene Großmutter wanderte mit ihrer Enkeltochter über das Eis, sie erklärte mir, wo das Eis wirklich sicher ist, und dass man z. B. vor der Wasserwacht lieber nicht laufen sollte, weil dort wärmere Wassereinströmungen sind, die die Eisfläche dort dünner sein lassen könnten. Zu jung zum Sterben dankte ich, froh über die Belehrung.

Über den See gleitend wunderte ich mich über Gruppen einheimischer Senioren, die sich � Hackenporsches hinter sich herziehend � dem Ufer näherten. Schnell lernte ich, dass Eisstockschießen keineswegs nur während der Olympischen Winterspiele in Hallen stattfindet und im Fernsehen übertragen wird: Sobald bayrische Gewässer zufrieren, frönen die hiesigen Senioren diesem Sport, gut bewaffnet mit Thermoskannen voller Heißgetränke. Das ist hier erstens Volkssport und zweitens ganz normal.

Meine Kreise � und Stürze � über das Eis führten mich an einem älteren Herrn vorbei, der auf einem Klapptsuhl auf dem Eis saß, neben sich den Einkaufstrolley mit dem heißen Tee, umgeben von diesen Geräten, die beim Eisstockschießen über das Gefrorene geschoben werden. Heißen die Eisstöcke? Wahrscheinlich. Der ältere Herr saß da ganz allein, wohl noch wartend auf die Spielgefährten, die noch kommen mochten.
Im Vorübergleiten grüßte ich und merkte an, das Wetter meinte es wohl heute gut mit uns. Seine Antwort: �Ja, magst auch mal Schieß\'n?�. Ich wäre keine Westfälin, hätte ich nicht gekontert: �Ja, ich habe grade schon gedacht, ich hätte mein Bügeleisen mitbringen sollen, dann könnte ich mitspielen!�. Das Eis war gebrochen, aber nicht das des Sees!

Sekunden später fand ich mich wieder in meiner ersten Unterrichtseinheit im Eisstockschießen und lernte, wie man die eine Schlittschuhkufe in die ins Eis geschlagene Kerbe stellt, um Halt zu haben beim Stoß, wie man richtig Schwung holt, dass man beim Stoß ein Stück hinterhergleitet, und dass mein erster Versuch für einen Anfänger �Ja, spitze!� war. Der nächste Versuch endete schon weniger elegant, nämlich mit dem Knie auf dem Eis, aber Dabeisein ist alles! Spannend fand ich auch die Erklärung, dass Eisstock nicht gleich Eisstock ist. Die Laufflächen der Sportgeräte haben nämlich nicht nur unterschiedliche Farben, diese Farben dienen der Unterscheidung der verschiedenen Rutschgeschwindigkeiten der Beläge: Aaaaa-ha!

Der alte Herr und ich hatten ein vergnügliches halbes Stündchen, während dessen ich noch ein wenig allgemeinen Unterricht in �Heimatkunde für Anfänger� bekam, und hätte ich nicht mittlerweile kalte Zehen bekommen, hätten wir wohl noch ein wenig länger zusammen gespielt. Aber beim Abschied bekam ich noch die Einladung: �Kannst\' gern wiederkommen, dann spiel\'n mer wieda z\'samm!”.

Hoffentlich bleibt es noch eine Weile so kalt draußen.


Kommentare

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  1. Hallo, Susanne,

    das Unterföhring so schöne Seiten hat, konnte man nicht unbedingt erahnen. Freue mich auf mehr, auch dann, wenn das Eis nicht mehr trägt.

    Übrigens ist es in HH heute eisig und sollte die Alster bald mal wieder zufrieren, dann kommt der entsprechende Bericht über die Sehnsucht nach dem Eisvergnügen, beste Grüße, DP

    David        3 January 2008, 20:28

  2. Traritrara – die Post war da!

    Meine Güte, wenn für ‘s Geschichten erzählen sogar der Postmann klingelt, dann sehe ich besser zu, mal schnell noch weitere Abenteuer zu erleben.

    Herzlichen Dank!

    Susanne        9 January 2008, 11:13




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