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Mein Hamburg

Fischmarkt, Hafenblick & Fischerhaus

Von David [118 Beiträge]   |   21.12.2007 um 18:01:46

Wir waren schon wieder essen. In Hamburg am Hafen, aber lesen Sie selbst.

Das gute alte Fischerhaus war früher ein Lieblingslokal meines Vaters, der nicht müde wurde, die Küche, die Kellner und das rustikale Ambiente zu loben.

Das war vor rund einem Vierteljahrhundert und ich hatte das Fischerhaus seitdem nicht mehr betreten. Meine Brüder, die mich begleiten sollten, hatten im Vorfeld konkret-nostalgische Reservierungswünsche. Sie wollten wieder im Hauptraum des alten Fischerhauses unter dem bereits verblichenen Gemälde der Hanseatic sitzen.

Und als wir um 19 h im noch ziemlich leeren Fischerhaus unsere Plätze an dem schmucklosen Holztisch 102 unter dem Bild des alten Passagierdampfers einnehmen, scheint die Zeitreise begonnen zu haben. Alte, nicht besonders schmucke Leuchter hängen mit vielen Birnenausfällen kühl illuminiert an der hohen Decke, der Tresen ist offen und gibt einen Blick auf die weiss durchgekachelte Küche wieder, an den Wänden hängen einige alte Bilder, die z.B. von der Sturmflut ´76 zeugen und es ist Wartesaal-Atmosphäre, die wiederum überhaupt nicht stört, wenn der Laden brummt. Die Kellner, die hier früher auch als Stewards angesprochen wurden, tragen Fliege und blaue Weste und vermitteln den Eindruck, als hätten sie schon viele Gäste kommen und gehen gesehen. Wir haben allerdings die einzige weibliche Bedienung, die von Beginn an bestrebt zu sein scheint, sich nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen. So gelingt es mir im Laufe des Abends nicht, ihrem Charme Gewinnbringendes abzuringen. Der eigentliche Service ist aber völlig i.O.

Geändert hat sich hier nicht viel. Leider gibt es den wunderbaren Blick Richtung Hafen nicht mehr. Er ist versperrt durch die Flutschutzmauer, die in Konsequenz einiger Sturmfluten schmucklos für Schutz vor dem Wasser sorgt. Gerade hier war früher auf dem Fischmarkt der Parkplatz für viele LKWs und diese wurden damals ständig von zahlreichen Bordsteinschwalben umschwirrt. Als kleiner Junge konnte ich mir da immer schön die Nase am Fenster platt drücken.

Und es gibt zwei große neue Räume, einer für Busgruppen, der andere im ersten Stock mit vermeintlich famosen Blick über den Hafen. Das Fischerhaus meines Verständnisses ist jedoch das alte.

Apropos Sturmflut, eine kleine Marke neben unserem Tisch beweist, dass das Wasser vor rund 30 Jahren so hoch im Schankraum stand, dass wir sitzend ertrunken wären…

Die Karte scheint sich in den letzten 25 Jahren jedenfalls nicht verändert zu haben, immer noch ganz oben steht Goldbarschfilet "Orly" für 8,10 Euro. Meine Mutter sagte damals dazu, es handele sich um Fisch, der in Mehlbüddel gefallen ist. Früher fand ich das köstlich, heute ist es eher etwas wie Fish & Chips, der Mehlbüddel ist ein recht dicker Bierteig und Remouladensauce setzt man großzügig ein, um dem Fisch zu seiner finalen Bestimmung zu verhelfen.

Mein anderer Bruder hat gedünsteten Limandes und findets ganz köstlich. Biere/Holsten kommen kalt und lecker. Es ist jetzt 20 h und fast alle Tische sind besetzt.

Leider bekommen wir um 22.55 h unaufgefordert die Rechnung von unserer kühlen Blonden, um 23 h ist Schluß. Da hilft auch kein Bitten, immerhin ist sie schon seit 11 h morgens auf den Beinen. Nun ja, ich sogar schon seit 6 h, aber das ist jetzt auch egal. Wir trollen uns die Hafentreppe hinauf, über das nasse Kopfsteinpflaster Richtung Hein-Köllisch-Platz und werden – wie immer – von überaus netten Bedienungen hinter dem Tresen des Abendmahls mit offenen Armen in Empfang genommen.

Gute Kritik erhält das Fischerhaus, weil es das erste Lokal ist, dass wir zu Lebzeiten meines Vaters oft besuchten und weil es sich im Kern nicht verändert hat. Und weil es irgendwie deshalb auch Kult ist. Ein objektiverer Beobachter würde evtl. weniger subjektiv beurteilen.

Im Laufe des Abends gehen übrigens viele ausländische Gäste bis hinauf in den ersten Stock, um den – wahrscheinlich in Reiseführern gerühmten Hafenblick (so auch der Name des Raumes) – in typisch-hamburgischer Fischkopp-Atmosphäre zu sehen. Ich war noch nie da oben. Sehe den Hafen allerdings auch jeden Tag, bin halt ein Glückspilz.


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